Tag: Betriebsrentengesetz

  • Was würde Helmut Schmidt dazu sagen?

    Was würde Helmut Schmidt dazu sagen?

    Text: Reinhold Birth             Bild: Facebok

    Was würde Helmut Schmidt dazu sagen?

    Das können wir nur vermuten und uns dabei auf seine öffentlichen Aussagen und auf sein Tun berufen. Tatsächlich hat er sich zwar aus der Tagespolitik herausgehalten, aber dennoch zu Lebensfragen unmissverständlich in zahlreichen Gesprächen oder seinen Büchern zu Wort gemeldet. Auch heute noch greift die Helmut Schmidt Stiftung auf sein Archiv von zahlreichen Zeit-Dokumenten zurück und erinnert an ihn in regelmässigen Newslettern, der Dauer-Ausstellung im Gebäude des Zeit-Verlags in Hamburg wie bei vielen anderen Gelegenheiten.

    Kürzlich stellte sich diese Frage – was er den dazu sagen würde – auch eine kleine Runde mit Giovanni di Lorenzo, Sandra Maischberger, Peer Steinbrück und Thomas Karlauf zum 10. Todestag Helmut Schmidt’s in der Wochenzeitung „Zeit“. Dabei ging es vor Allem um den Zustand unseres Landes – eine lesenswerte Lektüre auf meiner Fahrt nach Frankfurt.

    Aber jetzt geht es um die Frage über den Zustand unserer Rente, um die seit langer Zeit diskutiert wird. HS machte immer wieder auf das steigende Bevölkerungswachstum in der Welt wie ebenso auf die Demographie in Europa aufmerksam und konnte sich durchaus vorstellen, dass das Renteneintrittsalter in Deutschland weiter nach oben geschoben wird – er sagte: „wenn es denn dabeibleibt“ – aber hier geht es jetzt um den Beschluss des Betriebsrentengesetz von 1974 und was daraus geworden ist – ausgehend von dem GMG 2004 und den darauffolgenden Gerichtsentscheidungen.

    Es ist kaum davon auszugehen, dass er damit einverstanden war und er würde sicherlich auch die These 3, Satz 4 von Mathias Miersch, dem SPD Fraktionsvorsitzenden unterstützen – https://www.matthias-miersch.de/zwölf-thesen/, in der es heisst:

    „Die Versuche, z.B. über Direktversicherungen private Vorsorge zu erreichen, um sie anschliessend mit Beiträgen und Steuern zu belasten, haben das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger erschüttert.“

    HS hätte in seiner Verantwortung sicherlich die Vertrauensregelung nach Artikel 20 GG beachtet. Aber leider hat ihn niemand gefragt – oder doch? – wie auch immer.

    • Warum ist die „Doppelverbeitragung“ inzwischen durch die SPD nicht längst wieder abgeschafft worden – man hatte es doch mehrfach und öffentlich versprochen. Die Frage an Mathias Miersch gestellt, verwies er auf den Beschluss der SPD, das tun zu wollen. Auch die CDU, die ja aktuell Koalitionspartner ist, hatte bekanntlich diesen Beschluss im Dezember 2018 gefasst.
    • Waren etwa widrige Umstände der Grund dafür oder bestand von vornherein gar keine Absicht dazu?
    • Wird das verlorengegangene Vertrauen des Wahlvolkes gar nicht wahrgenommen oder ist es ihnen egal?
    • Verdammt noch mal, warum wird nicht entsprechend der Partei-Beschlüsse gehandelt?

    Stattdessen werden wir mit Aussagen konfrontiert, wie:

    • Wir müssen Haushaltsloecher stopfen, weil
    • die Kassen leer sind (was nichts anderes heisst, als: „Wir haben euer Geld längst für andere Dinge ausgegeben oder brauchen noch mehr, um die Welt zu retten. – ein Kassensturz wäre nicht zu verantworten“
    • Ein dauerndes Argument ist: Wir müssen unser Gesundheitswesen sanieren (m.E. ist das gar nicht möglich, denn der Gesetzgeber trifft immer wieder Ausgaben-trächtige Entscheidungen – denken wir u.a. (nicht zuletzt) an die Coronazeit und den Maskendeals. Niemand will das alles wirklich aufarbeiten.

    Ich denke, das Gesundheitswesen muss unter eine genossenschaftliche Selbstverwaltung – der Gesetzgeber muss da raus.

    Man versucht, uns mit dem Verweis auf das Betriebsrentenfreibetragsgesetz von 2020 zu trösten und schreibt: „Ich verstehe ihre Enttäuschung und weiss, dass das kein zufriedenstellender Trost für Sie ist“.

    • Wir wollen keinen Trost – wir verlangen die Einhaltung von Recht und Gesetz auf das wir vertrauen wollen.
    • Ein Recht nach Kassenlage ist Willkür und kein Recht.

    Helmut Schmidt würde uns Recht geben, da bin ich sicher.

  • Was ist das für ein Solidarsystem und wie wird das politisch gesteuert?

    Was ist das für ein Solidarsystem und wie wird das politisch gesteuert?

    Die Jungen und nachfolgenden Generationen können aus der Erfahrung oder den Fehlern der Älteren lernen – Die Meisten von uns würden heute ihre Altersvorsorge anders aufbauen – jedenfalls würden Sie sich nicht wieder auf staatliche Programme verlassen – obwohl ich davon ausgehe, dass die damalige Regierung Helmut Schmidt / Hans-Dieterich Genscher es mit uns ehrlich gemeint haben. Aber nachfolgende Politiker – Generationen derer einfach nicht unbedingt würdig sind.

    2003 weinte die GKV um ein Defizit von 3 Mrd. – der gesundheitspolitische Sprecher der CSU Landesgruppe, die Gesundheitsministerin erleben im Herbst die schönste Nacht ihres Lebens, als sie die parteiübergreifende Entscheidung des Gremiums aus SPD, Grüne und CDU/CSU bekanntgeben, das Finanzloch mittels des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes „GMG“ mit Hilfe der Altersvorsorger und gesetzlich Sozialversicherten ab Auszahlung ihrer Direktversicherungen oder monatlichen Betriebsrenten zu stopfen – die übrigen Beitragszahler in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung bleiben außen vor, um nicht noch weitere Unruhe in die Wählerschaft zu bringen (wir erinnern uns: nach den Hartz IV Beschlüssen war die Rot/Grün auf dem freien Fall und auch das ausgesprochene Selbstbewusstsein von Kanzler Gerhard Schröder konnte diesen Fall dann 2005 trotzdem nicht retten.

    Seither zahlen bekannter Weise alle Altersvorsorger – auch die deren Verträge bereits seit den 70er Jahren bestanden 1/5tel ihrer investierten Altersvorsorge in die gesetzliche Kranken- und Pflegekassen – so sie nicht privat versichert sind oder einer steuerlichen Beihilfeversorgung erfreuen.

    2018 erfreute sich die GKV einer Rücklage von 21 Mrd Euro. Ratet mal, wer die aufgebaut hat? Dann kam Corona – 2021 war die Rücklage weg – nur, mal deutlich zu machen, wie mit unseren Beiträgen umgegangen wird nenne ich dieses eine Beispiel: das Ärzteblatt schreibt am 8.1.2024 „Rund 132 Millionen Dosen Corona Impfstoff entsorgt.“  > mehr

    Und heute meldet die Krankenkasse Direkt: GKV-Finanzentwicklung-Krankenkassen-nach-1-Quartal-2024-tief-in-den-roten-Zahlen. > mehr

     

    Dem verantwortlichen Gesetzgeber können wir also nicht unser Geld anvertrauen, denn wie oft müssen wir noch enttäuscht werden. 1974 haben wir der Schmidt / Genscher vertraut und in unsere Altersvorsorge nach dem Betriebsrentengesetz vertraut. Ab 2004 ist unser Vertrauen zerstört und die Gerichte machen da mit. Es gibt keinen Vertrauensschutz im Solidarsystem, sagen sie. Auch die Richter am Bundesverfassungsgericht – von der Bundesregierung eingesetzt – repräsentieren nicht mehr die 3. Gewalt unserer Demokratie, wenn wir feststellen müssen, dass bisherige Beschwerden nicht zugelassen wurden.

    Reinhold Birth, DVG e.V., 13.09.2024

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