Tag: Doppelverbeitragung

  • Union und SPD halten Altersvorsorger hin

    Union und SPD halten Altersvorsorger hin

    CDU und SPD haben versprochen, Direktversicherte und Betriebsrentner zu entlasten. Nichts ist passiert. Wir Abgezockte werden weiter hingehalten; Altersvorsorger zahlen weiter jeden Monat annähernd ein Fünftel an die Krankenkasse.

    Carsten Linnemann (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) versprachen eine Lösung, die Mehrfachverbeitragung von Direktversicherungen abzuschaffen. Das ist aber nur Hinhaltetaktik, wie sich mittlerweile herausstellt.

    Altersvorsorger verschaukelt

    Der “Tagesspiegel” hat es treffend zusammengefasst: “Vor vier Monaten gaben sich die Verhandler noch zuversichtlich und meinten, sie würden im September eine Lösung für die Doppelverbeitragung von Betriebsrentnern präsentieren“. Das versicherten SPD-Experte Karl Lauterbach und Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann. Wie wir mittlerweile feststellen, hat die Groko wieder einmal nicht geliefert. Das Problem wird ausgesessen, vertagt, die Betroffenen vertröstet. Genau dieses Verhalten fördert Politikverdrossenheit.

    Keine Entlastung

    Nichts ist geworden mit der Entlastung der Betroffenen – sie zahlen weiter Monat für Monat ein Fünftel ihrer Direktversicherung an die Krankenkassen, die mittlerweile im Geld schwimmen. Linnemann, Lauterbach & Co. nehmen es billigend in Kauf, dass die betriebliche Altersversorgung sabotiert wird und ein Minus-Geschäft bleibt.

    „Nun ist der Oktober fast vorbei, die Regierungs- und Fraktionsexperten saßen vergangene Woche erneut zusammen, gingen wieder ergebnislos auseinander“, so der „Tagesspiegel“. Linnemann gebe sich nach wie vor unverdrossen drängelnd. Lauterbach dagegen – inzwischen nicht mehr Fraktionsvize und auch nicht mehr Groko-Fan – habe die Hoffnung auf eine Einigung aufgegeben.

    „Ich bin sehr pessimistisch, dass wir da noch eine Lösung hinbekommen“, zitiert der „Tagesspiegel“ den SPD-Politiker. Die Situation sei „komplett verfahren“, die Gespräche drehten sich im Kreis. Momentan sehe es danach aus, dass die dringend nötige Entlastung von Betriebsrentnern und Direktversicherten an der Union scheitern werde.

    Bild von Alexander Stein auf Pixabay

  • Bundesweite Demos am 26. Oktober

    Bundesweite Demos am 26. Oktober

    Für den kommenden Samstag, 26. Oktober, ab 10 Uhr ruft der Verein für Direktversicherungsgeschädigte (DVG) zu Demonstrationen in mehreren deutschen Städten auf. Eine Demo mit Kundgebung ist vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe geplant.

    von Christiane Löffler

    Seit 2015 kämpft der Verein gegen Änderungen des sogenannten Gesundheitsmodernisierungsgesetzes von 2004. Dies hat zu einschneidenden Änderungen für Besitzer von Direktlebensversicherungen geführt. Potenziell betroffen seien rund sechs Millionen Versicherte, von denen sich viele im DVG organisiert hätten. Fast ein Fünftel der Auszahlungen müssen die Rentenbezieher an Krankenkassen abführen, wenn sie aus dem Berufsleben ausscheiden, teilt der DVG mit. Die Krankenkassen forderten von ihnen den vollen Beitragssatz – Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, plus Zusatz- und Pflegebeitrag. Das gelte auch für Direktversicherte, die in der Einzahlphase bereits Sozialbeiträge abgeführt haben.

    Bundesweite Demos am Samstag

    Das Thema ist seit Längerem auch in der Politik angekommen, wird jedoch schon in der Regierungskoalition unterschiedlich bewertet. Während sich die SPD für Änderungen im Sinne der Betroffenen ausspricht, reagiert die CDU ablehnend. So verweist Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) darauf, dass zur Finanzierung von Entschädigungen 40 Milliarden Euro nötig seien. Laut DVG beziffert diese Summe die Erstattung der gesamten Versorgungsbezüge aller Betriebsrentenbeiträge – auch derjenigen Zusatzrenten, die immer schon der Beitragspflicht unterlagen. Eine Rückabwicklung der Versicherungsbeiträge bei „echten“ Direktversicherungen würde nur etwa 9 bis 11 Milliarden Euro betragen. Dies haben Experten errechnet.

    Mit den bundesweiten Demos am Samstag will der Verein seine Forderungen unterstreichen. Dazu gehört ein Stopp der Doppelverbeitragung und Entschädigungslösungen bei den Direktversicherungen, in die mit dem Gesetz von 2004 nachträglich und ohne Bestandsschutz eingegriffen wurde. Etliche Sozialverbände haben sich mit den Protesten solidarisiert. Entsprechende Petitionen wurden bereits von mehr als 10.000 Unterstützern signiert, teilt der Verein mit. kh

    Die Rheinpfalz Pfälzer Tageblatt – Nr. 279 Dienstag, den 22. Oktober 2019
  • “Pink-Westen” protestieren in Erfurt

    “Pink-Westen” protestieren in Erfurt

    ERFURT  Zum ersten Mal gehen am Samstag bundesweit zeitgleich Direktversicherungsbeschädigte auf die Straße – auch in Erfurt. Wir beantworten dazu die wichtigsten Fragen.

    Sibylle Göbel, 22.10.2019, 05:29

    Einen Tag vor der Landtagswahl in Thüringen gehen am Samstag bundesweit sogenannte Direktversicherungsgeschädigte auf die Straße – ab 11 Uhr auch in Erfurt. Sie wehren sich dagegen, dass der Staat sie aus ihrer Sicht um einen Teil ihrer Ersparnisse bringt, indem sie knapp 20 Prozent des Auszahlungsbetrages ihrer Direktversicherung an die Krankenkassen entrichten müssen. Als besonders ärgerlich empfinden es Betroffene dabei, dass mit dem 2003 von Rot-Grün verabschiedeten Gesundheitsmodernisierungsgesetz beschlossen wurde, diese Regelung rückwirkend auch auf alle davor abgeschlossene Policen anzuwenden.

    Infolge dieser Doppelverbeitragung, wie sie Experten nennen, bleiben den Versicherten von jedem angesparten Euro nur rund 80 Cent. Das gilt auch für Arbeitnehmer, die die Prämien für ihre Altersvorsorge vom Nettolohn beglichen und bereits Sozialabgaben gezahlt haben.

    Stopp der Doppelverbeitragung

    An die Seite der Thüringer Direktversicherungsgeschädigten wollen sich am Samstag in Erfurt neben Sozialverbänden auch Landespolitiker stellen: Zuerst hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) seine Teilnahme am Protest der Pink-Westen zugesagt, inzwischen kündigte auch SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Tiefensee eine Rede an. Gerhard Kiesewetter, Bundesvorsitzender des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten, hat daraufhin seine Teilnahme an der Demo in Dortmund ab- und dafür die an der Protestaktion in Erfurt zugesagt.

    Der Verein fordert mit Blick auf die milliardenschweren Rücklagen der Krankenkassen einen sofortigen Stopp der Doppelverbeitragung und eine Entschädigung der Versicherten, denen seit 2004 die Sanierung des Gesundheitsfonds aufgebürdet wurde.

    Die wichtigsten Fragen und Antworten

    Neben Dresden, Hannover, Halle, Kassel, Karlsruhe, München und vielen anderen Städten ist auch Erfurt Ort des Aktionstages.

    Wann und wo treffen sich die Teilnehmer der Protestaktion?

    Treffpunkt ist um 10.45 Uhr an den Domstufen auf dem Domplatz in Erfurt. Start ist um 11 Uhr, das Ende der Demo ist für 13 Uhr geplant. Der Protestzug führt vom Domplatz über den Fischmarkt und Anger bis zur Staatskanzlei. Vor dem Start erhalten alle Teilnehmer eine pinkfarbene Weste – das äußere Zeichen der Bewegung.

    Wer kann an der Demonstration teilnehmen?

    Jeder, der selbst betroffen ist oder nach Erreichen des Rentenalters betroffen sein wird und natürlich auch jeder, der das Anliegen unterstützen will. Wer dabei sein will, wird gebeten, dies vorab per E-Mail an oder zu signalisieren. Aber natürlich sind auch Kurzentschlossene willkommen.

    Wer ist der Veranstalter der Demos?

    Der Verein für Direktversicherungsgeschädigte, der sich 2015 gegründet hat und inzwischen bundesweit mehrere tausend Mitglieder zählt. In Thüringen wird derzeit die Gründung einer Regionalgruppe vorbereitet. An einem ersten informellen Treffen am 9. August in Oberweimar nahmen zirka 130 Interessierte aus ganz Thüringen teil.

    Worum geht es bei der Protestaktion, was ist das Anliegen?

    Wenn Direktversicherte aus dem Berufsleben ausscheiden, müssen sie fast ein Fünftel der Auszahlungen aus ihrer Direktversicherung oder Betriebsrente an die Krankenkassen abführen. Auch Direktversicherte, die bereits in der Einzahlphase Sozialbeiträge entrichteten, haben dann den vollen Beitragssatz, sprich: den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberanteil, plus Zusatz- und Pflegebeitrag abzuführen. Diesen Zugriff auf die Altersvorsorge prangert der Verein der Direktversicherungsgeschädigten an und fordert ein Ende der Doppelverbeitragung. Dar-über hinaus setzt er sich für eine finanzielle Entschädigung aller ein, die seit 2004 zahlen mussten, ihre Policen aber lange vorher abgeschlossen haben.

    Warum wird das als ungerecht empfunden?

    Weil mit dem 2003 verabschiedeten Gesundheitsmodernisierungsgesetz nachträglich und ohne Bestandsschutz in die bestehenden Versicherungsverträge eingegriffen wurde. Das heißt, rückwirkend und einseitig wurden die Konditionen geändert, um die zu diesem Zeitpunkt klammen Sozialkassen wieder zu füllen. Das empfinden die Betroffenen auch deshalb als empörend, weil die Politik immer wieder betont, wie wichtig es ist, neben der gesetzlichen Rente auch privat und betrieblich für das Alter vorzusorgen. Und auch, weil Privatversicherte anders als gesetzlich Versicherte nicht zur Kasse gebeten werden. Hätten die Direktversicherten zudem das Geld privat statt in einer Direktversicherung angelegt, müssten sie auf den Auszahlbetrag keine Sozialbeiträge entrichten.

    Wie viele Direktversicherte sind betroffen?

    Nach Angaben des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten mindestens 6,3 Millionen Menschen. Etliche davon haben zudem mehrere Policen.

    Haben denn Betroffene nicht schon gegen diese Regelung geklagt?

    Doch. Aber bisher ohne Erfolg. Die Gerichte schmettern Klagen in allen Instanzen ab.

    Was sagen die im Bundestag vertretenen Parteien?

    Die erste Fraktion, die sich für eine Änderung des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes stark gemacht hat, war die Linke. Inzwischen sind aber alle Parteien für eine Korrektur, weil sie erkannt haben, dass durch ein solches Gesetz das Vertrauen in die Politik Schaden genommen hat. Viele Betroffene haben sich geschworen, keine der Parteien, die das Gesetz damals beschlossen haben – Rot-Grün unter Gerhard Schröder (SPD) mit den Stimmen der Union – wieder zu wählen, wenn sich nichts ändert. Vor allem in der Union aber bestehen unterschiedliche Lager: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum Beispiel erst im Frühjahr wieder gesagt, dass sie keine Möglichkeit für eine Korrektur sieht. Zudem gibt es Bundestagsabgeordnete der Union – darunter der Eichsfelder Manfred Grund – die sagen: Die Generation der Rentner erkrankt häufiger und länger und nimmt dadurch die Krankenkassen viel mehr in Anspruch als Jüngere – folglich sollte auch ihr Anteil an der Finanzierung der Leistungen entsprechend höher sein.

    Diskutiert wird von der Politik derzeit eine Halbierung des Beitragssatzes ab 2020.

    Warum ist das Thema im Moment so aktuell? Das Problem besteht doch schon seit 2004.

    Zum einen natürlich, weil immer mehr Betroffene das Rentenalter erreichen und oft erst zu diesem Zeitpunkt erfahren, was auf sie zukommt. Denn in den Standmitteilungen der Versicherer steht kein Wort davon, dass die Beiträge an die Krankenkassen fällig werden. Zum anderen, weil sich gerade ein Zeitfenster für eine Änderung geöffnet hat, das sich aber rasch wieder schließen könnte.

    Warum könnte sich dieses Zeitfenster wieder schließen?

    Die Krankenkassen haben zwar Rücklagen in Milliardenhöhe angespart, so dass nicht der Steuerzahler dafür gerade stehen müsste, wenn die Direktversicherten entlastet werden. Aber andererseits haben die Krankenkassen erst vor wenigen Tagen höhere Beiträge von 2020 an in Aussicht gestellt, weil teure Reformen, die die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat, bezahlt werden müssten. Überdies könnten sich die schwächelnde Konjunktur und der damit einhergehende Rückgang der Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter negativ auswirken.

    Aber hatte nicht jüngst erst Bundesfinanzminister Olaf Scholz versprochen, dass sich etwas tut?

    Ja, der Minister war während der SPD-Kandidatenkür mehrfach auf dieses Thema angesprochen worden und hatte dabei die Gesetzesänderung von 2003 kritisiert. Sie sei, sagte er, ein Fehler, weil die Direktversicherten mit der rückwirkenden Änderung ge- und enttäuscht worden seien. Scholz scheint bewusst zu sein, dass die Politik durch diese Regelung viel Vertrauen verspielt hat. Ob sich Scholz aber in der Koalition durchsetzen kann, ist fraglich. Nach Berechnungen des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten wurden in den Jahren 2004 bis 2018 etwa acht bis elf Milliarden Euro eingenommen.

    Welche Folgen könnte es haben, wenn es nicht zu einer Korrektur kommt?

    Der Frust wird wachsen. Und immer mehr Arbeitnehmer werden sich fragen, weshalb sie eine betriebliche Altersvorsorge als drittes Standbein aufbauen sollen. Denn wenn die Rendite gleich null ist und die Betriebsrente ein Minus-Geschäft, fehlen schlicht Argumente dafür.

    Foto: Sebastian Kahnert/dpa

  • Nachdenken über die Rente mit 70

    Nachdenken über die Rente mit 70

    Müssen die Jungen künftig bis 70 arbeiten und 24 Prozent Rentenbeiträge zahlen? Die Bundesbank meint, dass wir langfristig nicht umhin können, die doppelte Haltelinie der gegenwärtigen großen Koalition zu überdenken. Die Rente mit 70 – keine Utopie.

    Momentan noch gilt das Versprechen der doppelten Haltelinie: Das Rentenniveau der gesetzlichen Rente darf bis 2025 nicht unter 48 Prozent fallen und die Rentenbeiträge nicht über 20 Prozent steigen. Das mag bis 2025 funktionieren, danach allerdings nicht mehr. Ab 2025 geht die geburtenstarken Babyboomer-Generation in Rente – und das sind ganz viele. Der Jahrgang 1964 war mit 1,36 Millionen „Lebendgeborenen“ der stärkste überhaupt. Die Welle ebbte erst Ende der 60er-Jahre ab.

    Rente mit 70

    Das Rentensystem muss dringend reformiert werden. Eine Analyse der Deutschen Bundesbank zeigt klar auf, dass die Stellschraube „Rentenalter“ nicht länger tabu sein darf. Parallel dazu muss die betriebliche und private Altersvorsorge gestärkt werden. Zurzeit macht die Bundesregierung leider genau das Gegenteil, in dem sie alle schröpft, die privat oder betrieblich fürs Alter vorsorgen.

    Ab 2025 fällt Haltelinie

    Sollte es in nächster Zeit zu keinen Reformen und nicht zu einer Stärkung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge kommen, „droht die gesetzliche Rente der „Welt“ zufolge „in einen finanziellen Abgrund zu schlittern“. Das Fazit der Experten: Nur eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters könne verhindern, dass die Rentenfinanzierung völlig aus dem Ruder läuft.

    Wenn ab 2025 die doppelte Haltelinie fällt, dann geht es beim Rentenniveau weiter bergab und beim Rentenbeitrag weiter bergauf. Die Bundesbank sieht den  Beitragssatz bis Mitte der 30er-Jahre von derzeit 18,5 bis 19 Prozent (je nach Kasse)  der Deutschen Bundesbank zufolge auf rund 24 Prozent steigen müssen, bis 2070 sogar auf etwa 26 Prozent. Schlecht für die Arbeitnehmer, denn ihnen bleibt weniger netto vom Brutto. Dabei ist Deutschland heute schon das Land mit den zweithöchsten Abzügen.

    Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert eine grundlegende Reform der Altersvorsorge. Denn Die Riester-Rente ist Murks; die betriebliche Altersvorsorge wird wegen doppelter Krankenkassenbeiträge zum Minus-Geschäft für die Arbeitnehmer. Der Verband schlägt ein einfaches, kostengünstiges und renditestarkes Standardprodukt nach schwedischem Vorbild vor.

  • DVG-Demo auch in Karlsruhe

    DVG-Demo auch in Karlsruhe

    Am 26. Oktober 2019 findet in vielen deutschen Städten eine DVG-Demo gegen die Doppelverbeitragung auf Direktversicherungen und Betriebsrenten statt. Von Bayreuth bis Wiesbaden, von Dresden bis Karlsruhe demonstrieren Betroffene dagegen.

    Veranstalter ist der Verein für Direktversicherungsgeschädigte, der seit 2015 den staatlichen Zugriff auf die Ersparnisse aus privater und betrieblicher Altersvorsorge anprangert. Fast ein Fünftel der Auszahlungen müssen die Rentenbezieher an die Krankenkassen abführen, wenn sie aus dem Berufsleben ausscheiden.

    Besonders hart trifft es Altersvorsorger mit Verträgen, die vor 2004 abgeschlossen wurden. Die Krankenkassen fordern von ihnen den vollen Beitragssatz, sprich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, plus Zusatz- und Pflegebeitrag – egal, ob es dabei um eine Kapitalzahlung oder eine monatliche Rente geht.

    Das gilt auch für Direktversicherte, die in der Einzahlphase bereits Sozialbeiträge abgeführt haben. Der Klageweg ist den Betroffenen durch das Bundessozialgericht versperrt,  denn der institutionelle Rahmen des Betriebsrentenrechts werde erst dann verlassen – so das BSG –, wenn der Arbeitnehmer in die Stellung des Versicherungsnehmers einrückt.
    Dies ist bis auf weiteres der einzige Weg, der Beitragspflicht zu entgehen.

    Potentiell betroffen sind rund sechst  Millionen Direktversicherte, von denen sich viele im DVG e.V. organisiert haben und am 26. Oktober ihren Forderungen auf den Straßen Nachdruck verleihen: Sie verlangen einen Stopp der Doppelverbeitragung und Entschädigungslösungen bei den Direktversicherungen, in die mit dem sog. Gesundheits-Modernisierungs-Gesetz 2004 nachträglich und ohne Bestandsschutz eingegriffen wurde.

    DVG-Demo auch in Karlsruhe

    Eine Demo mit anschließender Kundgebung wird auch vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe stattfinden. Die Auftaktdemo findet bereits am 24. Oktober um 14:00 Uhr in Dresden statt.

    Alle Veranstaltungen sind auf www.dvg-ev.org und in allen sozialen Medien abrufbar. Etliche Sozialverbände haben sich mit den Protesten solidarisiert. Entsprechende Petitionen wurden bereits von mehr als 10.000 Unterstützern signiert.

    Denn der Klageweg ist den Betroffenen versperrt. „Die Veranstalter wollen am 26.10. Politik und Öffentlichkeit aufrütteln“, so Rudi Birkmeyer von der regionalen Gruppe des DVG e. V. „Sie fordern Entschädigungen und den Mut zur politischen Neugestaltung einer nachhaltigen und vertrauenswürdigen Altersvorsorge, damit Altersarmut für nachfolgende Generationen vermieden werden kann“. (red)

  • GMG-Architekt Münte auf Tour

    GMG-Architekt Münte auf Tour

    Franz Müntefering, Ex-Vizekanzler und Architekt der Abzockpolitik tourt durch Deutschland. Münte stellt sein neues Buch vor.

    Auf seiner Tour stellt der Promoter des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) sein Buch „Unterwegs – Älterwerden in dieser Zeit“ vor. Das wäre eine ideale Gelegenheit für den DVG, ihn entsprechend zu empfangen und ihm die Meinung zu sagen, schließlich war er es, der 2003 die Gesundheitsreform durch den Bundestag gepeitscht hatte.

    Müntefering war es auch, der den Entwurf des GMG unterzeichnete, zusammen mit Angela Merkel, Michael Glos (CSU) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne). „Münte“, wie er auch von vielen in der SPD genannt wird,  ist immer noch davon überzeugt, dass es richtig war, die Direktversicherten doppelt zu verbeitragen. Von seiner Meinung ist er seitdem nie abgerückt.

    Münte auf Tour

    Hier die Tour-Daten

    Oeynhausen – 4. November 2019 – mehr
    Kissingen – 7. November 2019 – mehr
    Bayreuth – 13. November 2019 – mehr
    Köln – 19. November 2019 – mehr
    Oldenburg – 26. November 2019 – mehr
    Finnentrop – 27. November 2019 – mehr
    Wilhelmshaven – 28. November 2019 – mehr
    Ravensburg – 27. Februar 2020 – mehr
    Villingen-Schwenningen – 28. Februar 2020 – mehr
    Neubulach – 2. April 2020 – mehr
    Rotenburg – 23. April 2020 – mehr

    Übrigens, so liest sich der Klappentext des neuen Buchs auf der Seite des Dietz-Verlags:

    Franz Müntefering schreibt unbeschwert, aber nachdenklich über das alltägliche Leben im Älterwerden, über Mobilität und Begegnung, über Gesundheit und Sterben, über Solidarität zwischen Menschen, über Europa und unsere Demokratie und, mit besonderer Dringlichkeit, über die Frage, wie wir den künftigen Generationen die Welt hinterlassen. Sein Buch ist getragen von der Zuversicht, dass Dinge gestaltbar sind, abhängig von der Bereitschaft zum Engagement und vom Mut zum Handeln – in der Politik, in der Gesellschaft und persönlich.

    Müntefering stehe immer noch zu seinen Reformen von damals, wie der “Spiegel” schreibt.

    In seinem Buch verteidigt er die Reformen. Für einige sei die Agenda 2010 zum “wohlfeilen Schimpfwort” geworden, schreibt Müntefering. Aber es habe damals in der Partei klare Mehrheiten dafür gegeben – was manche heute gern verschweigen würden.

    Bild:  Verlag J.H.W. Dietz Nachf.

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