Category: Politik

  • CDU bleibt bei Rente nebulös

    CDU bleibt bei Rente nebulös

    In ihrem Wahlprogramm bleiben CDU/CSU in punkto Rente nebulös. Da ist wenig Konkretes enthalten – aber das kennen wir. Also weiter wie bisher.

    Die Union will laut dem Entwurf ihres Wahlprogramms zur Bundestagwahl 2021 ein  Konzept für eine neue Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge entwickeln. Nach dem was bisher durchgesickert ist, ist der Ansatz aber nebulös. “Dafür kann eine Generationenrente für eine Altersvorsorge von Geburt an ein guter Baustein sein”, zitiert „T-Online“ aus dem Papier. Die Union wolle prüfen, wie sie eine solche Generationenrente mit einem staatlichen Monatsbeitrag zur Anlage in einen Pensionsfonds mit Schutz vor staatlichem Zugriff ausgestalten könne. Ziel sei es, mit einem attraktiven Instrumentenmix Altersarmut wirksam zu vermeiden. Die konkrete Ausgestaltung ist offensichtlich wieder aus der Endfassung ausgeklammert worden. Denn ursprünglich sah das Wahlprogramm vor, dass der Staat dafür ab Geburt bis zum 18. Lebensjahr für jedes Kind hundert Euro monatlich in einen Generationen-Pensionsfonds einzahlen solle.

    Vieles bleibt nebulös

    Nach der heftigen Kritik der vergangenen Tage, hat die Union wohl Forderungen nach einer Anhebung des Renteneintrittsalters wieder aus dem Wahlprogramm entfernt. CDU/CSU wollen scheinbar auch die Doppelbesteuerungen von Renten verhindern, was sie ja in den vergangenen 16 Jahren hätten längst machen können.

    Dann steht da noch der Satz, dass bei der privaten, staatlich geförderten Altersvorsorge ein Neustart nötig sei, “damit sie sich mehr lohnt”. Das ist ein Hohn für Millionen von Direktversicherten und Betriebsrentner, die von der Union seit Jahrzehnte fordern, die Mehrfachverbeitragung ihrer Altersvorsorge abzuschaffen, wogegen sich die Union, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), aber auch der Versicherungslobbyist Max Straubinger (CSU) und andere, vehement geweigert haben.

    Alles in allem mehr Nebulöses als Konkretes zur so wichtigen Rentenfrage. Insgesamt sind die Versprechungen in punkto Rente im Wahlprogramm alles andere als glaubwürdig.

    Hier das Wahlprogramm der CDU/CSU zum Herunterladen.

    Allein das Vorwort ist echte Realsatire. “Wir wollen einen verlässlichen und modernen Staat”, das ist Verhöhnung pur. Wir Direktversicherungsgeschädigten können ein Lied davon singen. Oder: 2Wir sorgen für
    1998 eine verlässliche Rente und einen Neustart bei der privaten Vorsorge, damit sie sich mehr lohnt”. Nach Abzug von annähernd 20 Prozent Krankenkassen- und Pflegebeitrag von “lohnt” zu sprechen, ist eine Dreistigkeit sondergleichen. Und so geht es munter weiter im Wahlprogramm der Union. Also, einfach mal selbst lesen.

     

     

     

    Bild von Comfreak auf Pixabay

  • DWS stellt Riester ein

    DWS stellt Riester ein

    Der Fonds-Shop der Deutschen Bank, die DWS, stellt das Neugeschäft für Riester-Produkte ein – als Konsequenz des Versagens der Politik.

    Am 1. Juli 2021 stellt die DWS das Neugeschäft mit sämtlichen Riester-Produkten der DWS ein. Betroffen sind die DWS RiesterRente Premium, der DWS Vermögenssparplan Premium, der DWS Premiumsparplan für Versorgungsausgleich und die DWS TopRente. Die Einstellung betrifft nur das Neugeschäft, die Bestandsverträge werden unverändert weitergeführt.

    DWS zieht Konsequenzen

    Die DWS zieht damit die Konsequenzen der verfehlten Rentenpolitik der Merkel-Regierung. Die vollständige Beitragsgarantie der Riester-Produkte erweise sich angesichts der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) als Bürde für Vorsorgesparer. Es bleibe kein Spielraum für chancenreiche und substanzwertbasierte Aktienanlagen. Die DWS moniert das eigenen Angaben zufolge schon seit 2015 und verlangte mehr Flexibilität bei Riester-Produkten – ohne Erfolg.

    Verfehlte Rentenpolitik

    „In ihrem Koalitionsvertrag 2018 hatten CDU/CSU und SPD vereinbart, zügig die private Altersvorsorge zu reformieren; allerdings wurde in der nun auslaufenden Wahlperiode keine gesetzliche Änderung eingebracht“, stellt die DWS fest. Die Entscheidung das Neugeschäft einzustellen, sei daher nötig, um die Interessen zukünftiger Anlegergenerationen zu schützen. Erst, wenn der Gesetzgeber Riester reformiert, will die DWS wieder einsteigen.

    Stoppt Riester

    „Stoppt die Riester-Rente, sonst sehen wir alt aus“, lautet die Forderung von Bürgerbewegung Finanzwende, Bund der Versicherten und Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Regierung rechnet Riester schön und geht von falschen Renditen aus. Nur Versicherer verdienen an Riester – zum Nachteil der Rentner. Statt die Ruine endlich sterben zu lassen, wird weiter herumgedoktert.

    Stoppt die Riester-Rente
    Stoppt die Riester-Rente – Aktion der Verbraucher-Allianz

     

    Presseschau

    Sahra Wagenknecht
    SWagenknecht
    Statt einem Neustart der privaten Altersvorsorge brauchen wir eine Reparatur der gesetzlichen Rente! Die #Teilprivatisierung muss rückgängig gemacht werden – ohne dabei Verbraucher um die eingezahlten Beiträge für #Riester-Produkte zu prellen. www.spiegel.de/wirtschaft/service/riester-rente-verbraucherschuetzer-fordern-zum-20-jaehrigen-jubilaeum-ein-ende-a-f3c4146e-e78d-4f2d-a293-2a72756f966e
    Twitter

     

    Bild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

  • Laschet knickt vor Versicherungslobby ein

    Laschet knickt vor Versicherungslobby ein

    Weil sich wegen der Unrentabilität Arbeitnehmer zunehmend von Betriebsrenten verabschieden, will Unionskanzlerkandidat Armin Laschet eine Betriebsrentenpflicht einführen. Die Versicherungslobby reibt sich die Hände.

    Jeder weiß, dass Versicherungen wegen der Vollverbeitragung, hoher Kosten und der Minderung der gesetzlichen Rente nicht für die betriebliche Altersvorsorge taugen. Das ficht den Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, aber nicht an. Er will jetzt Arbeitnehmer, darunter auch Geringverdiener, zur Betriebsrente zwingen – und die Direktversicherung ist eine Form der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Die bAV wird aber von den Versicherern organisiert – ein lukratives Geschäft für Versicherer, wie sich in der Vergangenheit zeigte und immer noch zeigt. Keiner sollte sich indes über Laschets Vorstoß wundern, sitzen doch in der Unionsfraktion viele Versicherungslobbyisten, die dafür sorgen, dass Arbeitnehmer auch weiterhin abgezockt werden.

    Laschet für Pflicht-Betriebsrente

    Es wird spannend, wie Laschet der Öffentlichkeit diesen Vorstoß verkauft. Die Beiträge für diese Pflicht-Betriebsrente sollen laut „Procontra“ sowohl vom Arbeitnehmer, der Firma aber auch vom Staat gezahlt werden.  Arbeitgeber, die Arbeitnehmer mit einem Bruttoarbeitslohn von bis zu 2200 Euro eine bAV von mindestens 240 Euro ermöglichen, sollen nach Laschets Plänen steuerlich vom Staat bezuschusst werden.

    Förderung der privaten Altersvorsorge

    Laschet will „Bild“ zufolge auch, dass die private Altersvorsorge gefördert wird. Laschet will danach einen steuerlichen Freibetrag bei Aktienverkauf von maximal 50 000 Euro einführen, wenn die Aktien mindestens zehn Jahren gehalten wurden. Zudem soll der steuerfreie Pauschbetrag für Arbeitnehmer von 1000 auf 1250 Euro pro Jahr steigen.

    Laschets Vorstoß wirft mehr Fragen auf als er Antworten auf die Herausforderungen der Altersvorsorge liefert.

    Bild: CDU/Laurence Chaperon

  • Was der CDU zur Rente einfällt

    Was der CDU zur Rente einfällt

    Wie oft schon hat die CDU die Wähler getäuscht und enttäuscht. Die eigenen Beschlüsse wurden regelmäßig über den Haufen geworfen – besonders häufig in punkto Rente. Traut sich das Armin Laschet noch einmal?

    Von Reiner Wellmann

    Die CDU und der Wählerwille – eine Geschichte von Täuschungen und Enttäuschungen. Zweimal hatten die Mitglieder der Volkspartei auf Bundesparteitagen die Abschaffung der Krankenversicherungspflicht auf Direktversicherungen beschlossen. Zweimal hat es die Entscheider der Christdemokraten in Berlin schlichtweg nicht interessiert. Jetzt müssen Laschet & Co. endgültig  Farbe bekennen. Denn bei der Aktion „Zusammenmachen“, bei der die Partei in den vergangenen Wochen online die Menschen in Deutschland nach Zukunftsideen gefragt hat, spielt das Thema Sicherheit der Rente und vor allem Abschaffung der ungerechten Doppelverbeitragung auf private Altersvorsorge eine bedeutende Rolle

    „Dein Deutschland. Deine Ideen“ – es war nach Angaben von CDU-Chef Armin Laschet die bislang größte digitale Beteiligungskampagne der Christdemokraten. 5000 Teilnehmer trafen sich an 11 digitalen runden Tischen. Und am Ende jubelte die CDU-Parteizentrale: 9450 Ideen und Vorschläge für das Wahlprogramm der CDU waren eingebracht worden für das (O-Ton CDU) „Modernisierungsjahrzehnt“. „Klicke dich einfach durch die Ideen und erfahre, was Deutschland bewegt“, fordert der CDU-Bundesvorstand auf. Beim Thema „Gesundheit und soziale Absicherung sind es exakt 249 Ideen und Vorschläge, die die Partei online für jedermann einsehbar präsentiert.

    Alle sollen in Rente einzahlen

    Nicht sonderlich überrascht dürfte sein, wer ins Detail schaut: 39 Mal taucht die Forderung auf, dass alle Bevölkerungsgruppen in die Rentenkassen einzahlen sollen. Ein Thema, das die CDU im Bundestag vor wenigen Wochen noch abgelehnt hatte. Offensichtlich getrieben von der Versicherungs- und Beamten-Lobby, scheut die CDU bislang die Rentenpflicht für alle wie der Teufel das Weihwasser.  Nun sollte die CDU im Konrad-Adenauer-Haus zur Kenntnis genommen haben, dass es offensichtlich eine große Mehrheit in der Bevölkerung dafür gibt, dass bitte schön alle in die Rentenversicherung einzahlen. Bleibt die spannende Frage, ob dieser Wählerwille es auch in das Wahlprogramm 2021 der CDU schaffen wird?

    Eindeutig auch der Auftrag an die CDU, die Doppelverbeitragung auf Direktversicherungen und andere Formen der privaten Altersvorsorge endlich abzuschaffen. 19 Mal wird dieser Antrag so oder ähnlich formuliert. Eigentlich ein Trauerspiel, dass es so weit kommen muss. Denn auf den CDU-Bundesparteitagen 2018 in Hamburg und 2019 in Erfurt hatten die Delegierten bereits eindeutig die Beschlüsse gefasst, diese Doppelverbeitragung zu beenden. Hat in Berlin aber niemanden interessiert. Bis auf das Placebo eines Freibetrags von 159 Euro (heute 164,50 Euro) blieb alles beim Alten.

    Täuschen, aussitzen, hinhalten als Methode

    Jetzt könnte es für CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet aber ungemütlich werden. Zum einen ist es peinlich, dass die CDU bei der „größten digitalen Beteiligungskampagne“ deutlich darauf hingewiesen werden muss, das umzusetzen, was sie bereits zweimal beschlossen hat. Das ist auch eine schallende Ohrfeige für die Minister der Groko-Regierung. Aber für jeden Beobachter stellt sich die Frage, schafft es diese Forderung von Millionen Geprellten und Enttäuschten auch noch einmal ins Wahlprogramm der CDU-Deutschlands? Und wenn ja: Wie will die CDU das Vertrauen derjenigen gewinnen, die schon mehrfach betrogen und enttäuscht wurden? Wer das höchste beschlussfassende Gremium der Volkspartei CDU missachtet – wie wird der mit den Ergebnissen einer Mitmach-Aktion im Vorfeld der Bundestagswahl umgehen?

    Ein Blick zurück lässt Böses ahnen: Bei der Bildung der jetzigen Groko im Jahr 2017 hatte es die Abschaffung der Doppelverbeitragung auch in den Vertrag zwischen CDU und SPD geschafft. Auf den letzten Drücker strich dann ausgerechnet die CDU dieses Thema aus dem Regierungsprogramm – übrigens ohne nennenswerten Widerstand der SPD. Aber soll man dieser CDU jetzt noch glauben – vorausgesetzt die Mitmach-Forderung der Deutschen schafft es überhaupt bis ins Wahlprogramm – dass sie diesen Betrug an Millionen Arbeitnehmern wirklich endlich beenden will?  Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, sagt der Volksmund. Die Partei, die das „C“ im Namen führt, sollte sich gut überlegen, ob sie die Wähler erneut belügen will.

    Laschet muss Farbe bekennen

    Dabei hat Wetzlarer Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer seinem Parteifreund und Kanzlerkandidat Armin Laschet eine Steilvorlage geliefert: Laschet müsste nur Irmers lesen. Irmer weiß, wie die Basis tickt. Aber bislang blieb Laschets Antwort aus. Laschet ist Irmer immer noch eine Antwort schuldig – aber bei der Präsentation des Wahlprogramms am 21. Juni werden Millionen Geschädigte ganz genau hinhören, was sie von dieser Partei zu erwarten haben.

    Dass die Wähler deutlich weiter sind als einige Regierungsakteure, zeigen auch die Forderungen nach einem Staatsfonds nach norwegischem oder schwedischem Vorbild zur Stärkung der Altersvorsorge, die bei „Dein Deutschland. Deine Ideen“ x-fach genannt werden. Ob das, was in Nachbarländern seit langer Zeit optimal funktioniert und den Rentnern deutliche höhere Leistungen garantiert, es nun auch endlich bei der CDU ins Wahlprogramm schafft?

     

    Bild von Wilfried Pohnke auf Pixabay

  • Herr Laschet, wann bekennen Sie endlich Farbe?

    Herr Laschet, wann bekennen Sie endlich Farbe?

    CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Jürgen Irmer hat den Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, aufgefordert, die Beitragspflicht auf Direktversicherungen abzuschaffen, wie auf dem Parteitag im Dezember 2018 von der Mehrheit der Delegiert beschlossen. Bislang blieb die Antwort aus. Offensichtlich will sich Laschet wegducken.

    Die CDU hat immer noch kein Wahlprogramm.  Abgeordneten machen jetzt Druck, darunter auch der hessische Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer. Er forderte den Bundesvorsitzenden Armin Laschet am 18. Mai 2021 auf, den mehrheitlich im Dezember 2018 auf dem Hamburger Parteitag getroffenen Beschluss umzusetzen, die „doppelten Sozialabgaben auf private Altersvorsorge“ zu reformieren und sicherzustellen,  „dass Arbeitnehmer oder Selbständige, die Entgeltumwandlung zur privaten Altersvorsorge nutzen, nicht doppelt belastet werden“. Irmer mahnt darüber hinaus “innerparteiliche Demokratie” an. Offensichtlich wartet Irmer immer noch auf eine Antwort von Laschet, denn sonst wäre das Schreiben schon publik geworden.

    Laschet muss Farbe bekennen

    Die Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich vehement dagegen gestemmt und systematisch blockiert, jetzt ist Kanzlerkandidat und Bundesvorsitzender, Armin Laschet, an der Reihe, den mehrheitlichen Willen der Partei umzusetzen. Genau daran hat ihn Irmer in einem Brief erinnert. Hier der Wortlaut:

    derzeit sind die Spitzengremien der Bundes-CDU dabei, das Wahlprogramm für die Bundestagswahl am 26. September 2021 zu formulieren. Als Kreisvorsitzender der CDU Lahn-Dill und als Bundestagsabgeordneter möchte ich mir erlauben, Sie und die Spitzen der Union dringend darum zu bitten, ein Thema aufzugreifen, das etwa sechs Millionen Menschen betrifft. Sechs Millionen, die auf Anraten des Staates eine private Altersvorsorge abgeschlossen haben, und zwar in Form unterschiedlicher Modelle, teilweise kofinanziert durch den Arbeitgeber, teilweise allein finanziert durch Beiträge aus dem bereits versteuerten Nettoeinkommen. Sie alle haben dies gemacht im Vertrauen auf die Zusagen des Staates, wonach in der Auszahlungsphase nur der halbe Beitragssatz an die gesetzliche Krankenversicherung und die Sozialversicherungsträger zu entrichten ist. Eine durchaus attraktive Anlageform.

    Sie haben genau das gemacht, was wir heute erneut aktuell predigen, nämlich privat für das Alter vorzusorgen – und sie sind bitter enttäuscht worden. In meinen Augen sind sie betrogen worden, denn der Deutsche Bundestag hat im Jahr 2004, verantwortlich damals die sozialdemokratische Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der heutige SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gemeinsam mit den Grünen, das sogenannte Gesundheitsmodernisierungsgesetz im Bundestag verabschieden lassen. In einer „Nacht- und Nebel-Aktion”, ausgelöst durch Horst Seehofer (CSU), stimmte die Union plötzlich noch zu, obwohl an dem Morgen der Abstimmung gefühlt 95 Prozent der Abgeordneten zumindest der Union nicht wussten, was in der Nacht verändert wurde. Ein unsägliches Verfahren zu Lasten vorausdenkender Arbeitnehmer.

    Mit diesem Beschluss müssen seither rund 20 Prozent der angedachten Ersparnisse über einen Zeitraum von zehn Jahren abgeführt werden, wobei eine einmalige Abführung noch nicht einmal möglich ist für die, die das eventuell wollen. Und wenn man Pech hat, je nach Höhe der Zahlung, greift der Fiskus in Form des Finanzamtes zu und kassiert noch einmal einen zusätzlichen Betrag.
    So verbleiben aus geplanten 50.000 oder 75.000 Euro Altersversorgung nur noch 30.000 oder gut 50.000 Euro. Hätten alle diejenigen, die im Vertrauen auf die Zusagen des Staates sich für dieses Modell entschieden haben, das ersparte Geld unters Kopfkissen gelegt oder zu Zeiten, als es noch Zinsen gab, bei den Banken langfristig angelegt, hätten sie mehr davon gehabt.
    Das, was hier geschehen ist, ist in meinen Augen staatliches Raubrittertum, auch wenn es per Bundestagsbeschluss formal juristisch legitimiert wurde. Für mich stellt sich die Grundsatzfrage, losgelöst von den finanziellen Verlusten der Betroffenen, welches Maß an Glaubwürdigkeit hat Politik allgemein formuliert noch, wenn – wie leider nicht nur in diesem Fall – Beschlüsse rückwirkend hinfällig werden. Ich würde persönlich mit einem solchen Staat, der sein Wort derart massiv gebrochen hat, keine finanzielle Zukunftsentscheidung mehr treffen, weil ich nicht weiß, ob das, was heute zugesagt wird, übermorgen noch gilt. Solche Politik erschüttert das Vertrauen in die politisch Handelnden. Es erschüttert das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit, in die Demokratie.

    Deshalb halte ich es für zwingend notwendig, dass wir als Union im Rahmen des Wahlprogrammes ein deutliches Signal geben, dass wir hier zwingend Änderungen benötigen. Es heißt immer so schön, es ist kein Geld da. Ein Argument, das ich persönlich nicht mehr akzeptiere, das immer dann von Seiten der Regierenden – egal von welcher Partei – angeführt wird, wenn man bestimmte Entscheidungen/Beschlüsse nicht haben will. Ich komme auf die Frage der Glaubwürdigkeit in der gebotenen Kürze zurück und erinnere daran, dass der Bundesparteitag der CDU genau das gefordert und beschlossen hat, was ich in meinem Schreiben an Sie formuliere, und dass die Kanzlerin mit einem Federstrich erklärt hat, das sei mit ihr nicht zu machen. Innerparteiliche Demokratie sieht für mich anders aus.

    Ich kann mich als langjähriger hessischer Landtagsabgeordneter gut daran erinnern, dass ich gemeinsam mit meinem leider zu früh verstorbenen Kollegen Dr. Norbert Herr aus Fulda einige hunderttausend Euro für das Projekt „JeKi – Jedem Kind ein Instrument” gefordert habe. Nach heftiger Debatte erklärte man, das Geld dafür sei nicht da. Zu diesem Zeitpunkt kosteten uns die Asylbewerber 50 Millionen Euro im Jahr. Vier Jahre später betrugen die Ausgaben in Hessen für Asylbewerber rund 1,6 Milliarden Euro, und niemand hat gefragt, wo das Geld herkommt. Es war da. Übertragen auf die Bundesebene könnte man das an vielen Beispielen ähnlich machen. Ich würde nicht behaupten, dass jeder Euro, den der Bund ausgibt, sinnvoll investiert ist. Das heißt, wenn man politisch will, kann man das Unrecht beseitigen. Genau darum geht es mir.

    Lieber Herr Laschet, ich weiß, dass Sie Argumenten zugänglich sind. Mir geht es erstens um die Frage der Glaubwürdigkeit im Sinne der Direktversicherungsgeschädigten, die im Übrigen eine Bürgerinitiative gegründet haben, und es geht mir auch um die politische Bedeutung von sechs Millionen direkt Betroffener und ihrem Umfeld.

    Bei der Beantwortung meines Schreibens bitte ich darum, mich nicht darauf aufmerksam zu machen, dass auch aufgrund der Intervention von Kollegen und mir der Freibetrag in Höhe von 159,25 Euro zum 01.01.2020 eingeführt wurde. Dies ist sicherlich besser als nichts. Ich habe seinerzeit gleichwohl dagegen gestimmt, weil es das Problem aus Sicht der Betroffenen nicht ansatzweise löst. Lassen Sie uns einfach den Beschluss des Bundesparteitages umsetzen.

    Ich erlaube mir das Schreiben dem Vorstand der Direktversicherungsgeschädigten ebenso zukommen zu lassen wie einigen Kolleginnen und Kollegen aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
    Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für Sie in der Hoffnung auf einen gemeinsamen Wahlkampf und vor allem guten Wahlausgang. Hier können Sie Entscheidendes dazu beitragen.

    Hier der Wortlaut des Beschlusses auf dem Bundesparteitag im Dezember 2018:

    Beschlüsse C 37, C 45, C 132, C 168 Gegen doppelte Sozialabgaben auf private Altersvorsorge Die CDU Deutschlands fordert eine Reform der Sozialabgaben, die auf Beträge zur privaten Altersvorsorge erhoben werden. Es soll künftig sichergestellt werden, dass Arbeitnehmer oder Selbständige, die Entgeltumwandlung zur privaten Altersvorsorge nutzen, nicht doppelt belastet werden.

    Der CDU-Kreisverband Minden-Lübbecke hatte im November 2018 dazu aufgefordert, “Ungerechtigkeit beseitigen und verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen”. Darin wurde die Rücknahme der vollen Beitragspflicht aus arbeitnehmerfinanzierten Direktversicherungen gefordert. “Die konkrete Rückzahlungsabwicklung der bereits erhobenen Beiträge soll durch eine eigene Ausführungsverordnung geregelt werden”.

    Mittlerweile kocht das Rententhema hoch, wie Artikel in den Medien belegen, darunter in der “Welt”:

    Bild: CDU | Screenshot Bundesparteitag Youtube-Video

  • Union will Rentnern ein X für ein U vormachen

    Union will Rentnern ein X für ein U vormachen

    Die Union beschwichtigt Rentner und Rentenzahler, die sich um die Rente sorgen. Statt einer grundlegenden Reform kommen von der Union nur Phrasen. Jetzt eskaliert der Rentenstreit.

    Die Unionspolitiker wissen sehr wohl, dass ihre Untätigkeit in punkto Renten zum Kollaps des Rentensystems führt. Obwohl sie das wissen, tut die Politik so, „als sei zwei und zwei fünf“, bringt es Professor Gabriel Felbermayer in der „Bild“ auf den Punkt. Die Politik belüge sich selbst und auch die Wähler. Felbermayer gehört als Experte dem Wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie an, der jüngst „Vorschläge für eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung“ und die über die Tragfähigkeit des deutschen Rentensystems veröffentlichte. Der Beirat prognostiziert in seinem Gutachten „schockartig steigende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025“ und „hält die Koppelung des Renteneintrittsalters an die Entwicklung der Lebenserwartung für unumgänglich“.

    X für ein U vorgemacht

    Statt Kritik hätten die Experten Lob und Einsicht von der Union erwartet. Die Union denkt gar nicht daran, aus dieser Erkenntnis zu lernen, wie die Beiträge von Kai Whittaker (CDU) in der „Phoenix“-Runde am 9. Juni 2021 um 22.15 Uhr belegt. Whittaker hat am CDU-Rentenkonzept mitgewirkt. Er redet nur von „vielen kleinen Schritt“, aber nicht von einer grundlegenden Reform. Was besonders beängstigt, dass ihn „betrübt“, dass seine „Generation nicht mehr daran glaubt, dass sie in der Rente noch etwas bekommt“. Wer seine Redebeiträge bei der Diskussion um den Antrag der Linken Bundestagsabgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen gehört hat, weiß, wes Geistes Kind Whittaker ist. Er will am Zwei-Klassen-System bei der Altersvorsorge festhalten – hier die gutsituierten Abgeordneten und Beamten, dort die weniger gut situierten Rentner.

    Es braucht eine grundlegende Rentenreform

    „Mit vielen kleinen Schritte“ aber ist es nicht mehr getan. „Im Rentensystem wird es zu Einschnitten kommen – und sie werden schmerzhaft sein“, prognostiziert Beiratschef, Professor Klaus Schmidt. Der Rentenkollaps kann nach Meinung des Beirats nur verhindert werden, wenn (O-Ton „Bild“)

    • die Beiträge erhöhte werden
    • es ein kleineres Rentenplus gibt
    • mehr Steuergelder fließen
    • die Rente mit 63 abgeschafft wird
    • die Menschen später in Rente gehen

    Der Rentenkollaps ist deswegen zu befürchten, weil Merkel & Co. sich vor einer grundlegenden Reform gedrückt hat, die betriebliche Altersvorsorge durch die Mehrfachverbeitragung in der Auszahlphase unrentabel geworden ist und es nach wie vor ein Zwei-Klassen-System gibt. Direktversicherten hat sie nur ein Minimal-Zugeständnis gemacht und 2020 einen Freibetrag eingeführt – aktuell 164,50 Euro. Solange aber die Vollverbeitragung von Betriebsrenten bleibt, kann von einer rentierlichen Altersvorsorge keine Rede sein, denn immer noch zahlen Betriebsrentner und Direktversicherte annähernd 20 Prozent an die Kranken- und Pflegeversicherung – und es ist davon auszugehen, dass die Beiträge schon in naher Zukunft deutlich steigen werden. Bei einem Minus von 20 Prozent kann von Rendite keine Rede mehr sein, sondern eher von Minus-Geschäft. Bislang hat die Union aber alle Forderung zur Abschaffung dieser Abzocke abgelehnt.

    Altersvorsorge bröckelt

    Mittlerweile bröckeln alle Säulen der Altersvorsorge – neben der betrieblichen auch die gesetzliche und private Altersvorsorge. Letztere leidet vor allem an der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) unter ihrer Chefin Christine Lagarde. Der Garantiezins von Lebensversicherung wird 2022 auf 0,25 Prozent von jetzt 0,9 Prozent gesenkt.

    „Bild“ verweist darauf, dass Deutschland beim Vergleich der Rentensysteme schlecht abschneidet. Bei der Nettolohnersatzquote der Rente liegt Deutschland der OECD zufolge im letzten Drittel, weit abgeschlagen im Vergleich zu Frankreich, Portugal oder Österreich. Die Statistik der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) zeigt klar, wie weit Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zurückgefallen ist. Die Zahlen stammen von 2018, dürften sich aber prinzipiell kaum verbessert haben.

    nettolohnersatzquote
    Nettolohnersatzquote – so viel Rente gibt es im Vergleich zum Lohn                      Quelle: OECD

     

     

    Bild: CDU / Laurence Chaperon

  • Rentenstreit in Phoenix am Mittwoch

    Rentenstreit in Phoenix am Mittwoch

    Der Rentenstreit zieht Kreise. Am Mittwoch, den 9. Juni 2021 findet sich im ZDF-Kanal „Phoenix“ eine Runde zusammen, um über die Pläne der Bundesregierung zu reden, das Renteneintrittsalter zu erhöhen.

    Der Rente droht der Kollaps, wenn Merkel & Co. nichts unternehmen. Bislang wurde das Thema Rente von der großen Koalition erfolgreich unter den Teppich gekehrt – das scheint aber nicht länger zu funktionieren, wie die aufflammende öffentliche Diskussion beweist. Der ZDF-Kanal „Phoenix“ diskutiert deswegen am Mittwoch, den 9. Juni 2021 um 22.15 Uhr über das Thema „Der Rentenstreit – Arbeiten bis 68?“.

    Rentenstreit um Laschets Vorstoß

    Wenn es nach Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) geht, sollen die Deutschen künftig bis mindestens 68 arbeiten. Das Renteneintrittsalter soll erhöht werden. Geplant sei, so Phoenix, eine Anpassung an die Lebenserwartung, andernfalls drohen massive Lücken in der Rentenkasse. „Wie zumutbar ist eine längere Lebensarbeitszeit? Wie sicher ist die Rente?“ Diese Fragen stellt Anke Plättner:

    • Susanne Ferschl, Die Linke (stellv. Fraktionsvorsitzende Bundestag)
    • Axel Börsch-Supan, Direktor Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik
    • Stefan Sell, Sozialforscher, Hochschule Koblenz
  • Laschet für Rente mit 68

    Laschet für Rente mit 68

    Armin Laschet ist für die Rente mit 68 – mindestens. Er spricht sich für eine längere Lebensarbeitszeit aus. Jetzt muss die CDU endlich Farbe bekennen.

    Die Unionsparteien wollen dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge eine „längere Lebensarbeitszeit und eine Vorsorgepflicht für Selbstständige“. Vorstellen wollen CDU und CSU ihr Wahlprogramm erst am 21. Juni, wie „24Matins“ schreibt, verabschiedet werden soll es am Vortag. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet versucht offensichtlich, das Thema Rente möglichst im Wahlkampf zu umgehen, denn zu den Schwerpunkten der Union sollen wie Unionskreise verlauten lassen Innovation, Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Innere Sicherheit, Familie und Pflege sowie Europa zählen. Aber die Rente mit 68 ist zurzeit das wichtigste Thema.

    Laschet erbt schwere Hypothek

    Laschet vergisst dabei wohl, dass gerade das Thema Rente viele umtreibt – die Alten und die Jungen. Da hat die Union indes wenig zu bieten, hat sie doch das Rentensystem in den vergangenen 16 Jahren unter der Kanzlerin Angela Merkel systematisch ruiniert und sich Reformen verweigert. Laschet bleibt jetzt nichts anderes übrig, als für einen späteren Renteneintritt zu plädieren. Die Rente mit 68 treibt viel um.

    Der Vorsitzende der Unionsarbeitsgruppe Arbeit und Soziales im Bundestag, Peter Weiß, fordert dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge darüber hinaus eine Altersvorsorgepflicht auch für Selbstständige, die noch freiwillig fürs Alter vorsorgen können und sich deswegen für eine private Vorsorge mit Aktien, Immobilien oder Kapitallebensversicherungen entscheiden. Wenn es nach der CDU geht, sollen sie in die gesetzliche Rente eingebunden werden. Weiß schlägt laut „Hamburger Abendblatt“ weiter vor, die betriebliche Altersvorsorge für Geringverdiener leichter zugänglich zu machen. Das Thema Rente mit 68 bleibt aber im Gespräch.

    “Das sind Wahnsinnsvorschläge”

    Übrigens, von den Ideen seines Parteivorsitzenden in punkto Rente mit 68 ist Weiß der „Augsburger Allgemeinen“ zufolge alles andere als begeistert: „Das sind Wahnsinnsvorschläge, das kann man vergessen“, so Weiß. „Eine Prognose für die Jahre nach 2040, die kann man in die Tonne treten“, wiegelt der CDU-Politiker ab. „Die Entwicklung heute läuft zum Beispiel auch völlig anders, als der Rentenbericht vor zehn Jahre vorhergesagt hat“, so Weiß. Das heißt im Umkehrschluss, die CDU will weiter den Kopf in den Sand stecken und eine grundlegende Rentenreform auf die lange Bank schieben. Derzeit versuchen allerdings Politiker aus der Union die Probleme noch kleinzureden. “Die Rente mit 68 sei weder gewollt noch geplant”, wird CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der “Bild” zitiert. Es sei das Pfeifen im Walde, so das Boulevard-Blatt.  “Denn das Versprechen des deutschen Sozialstaats bricht gerade zusammen.” “Das Rentensystem implodiert”, titelt die “Bild”.

    Übrigens, seine Meinung zu einer Rente mit 68 spezifizierte Laschet auf den Familienunternehmertagen 2021 in Berlin. Eigentlich müssten die Menschen, wenn sie länger lebten, auch länger arbeiten, wird Laschet von „T-Online“ zitiert. “Ich glaube, wir brauchen danach eine neue Perspektive über das Jahr 2030 hinweg; dabei wird man dann auch über die Lebensarbeitszeit sprechen müssen. Ich würde allerdings nicht heute sagen, es muss 70 sein.” Laschet spiegelt damit die Forderungen aus der Wirtschaft wider, wozu auch die Familienunternehmen gehören.

    Laschet will spätere Rente

    Dabei steigt das Renteneintrittsalter bereits sukzessive auf 67 Jahre. Jahrgang 1956 darf 2021 regulär mit 65 Jahren und zehn Monaten in Rente gehen, Jahrgang 1957 einen Monat später – und Jahrgang 1964 mit 67 Jahre. Das ist die bisherige Regelung. Wenn Laschet „später“ sagt, dann heißt das: mit 68 oder 69 Jahren, also ein Jahr oder zwei Jahre später. Da, wie die Deutsche Rentenversicherung feststellt, die Deutschen tatsächlich im Schnitt mit 64,3 Jahren in Rente gehen, läuft das auf eine Rentenkürzung hinaus, denn sie müssten dann nicht 2,7 Jahre (67 minus 64,3) ausgleichen, sondern im schlechtesten Fall 4,7 Jahre (69 minus 64,3). Ihr Rente würde demzufolge niedriger ausfallen als heute.

    Misstrauen statt Vertrauen

    Laschet spricht gegenüber dpa von  “Vertrauen über die Regierungszeiten hinweg”, vergisst dabei aber zu erwähnen, dass die Union 2003 für die rückwirkende Einführung des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes gestimmt hat, das Millionen von Beschäftigten, die über ihren Betrieb fürs Alters vorsorgen, schlichtweg enteignete. Seit dem zahlen sie die vollen Krankenkassen- und Pflegebeiträge.

    Zum Thema Vertrauen ein Leserbrief von DVG-Mitglied Reiner Wellmann in den Westfälischen Nachrichten vom 24.4.2021

    Leserbrief Wellmann
    Leserbrief von Reiner Wellmann
  • Der Rente droht der Kollaps

    Der Rente droht der Kollaps

    Der Rente droht der Kollaps. Merkel & Co. haben sich vor einer grundlegenden Reform gedrückt und nur an den Symptomen herumgedoktert. Das rächt sich schon bald.

    Doppelverbeitragung, Doppelbesteuerung, sinkendes Rentenniveau – die Merkel-Regierung hat in den vergangenen 16 Jahren nichts ausgelassen, um die Altersvorsorge zu ruinieren. Das wird so langsam immer mehr Menschen in diesem Land bewusst, darunter auch den Journalisten des „Hamburger Abendblatts“, die von „Alarm in der Rentenkasse“ schreiben.

    Ohne Reform droht Kollaps

    Mit ein bisschen Kosmetik ist es nicht mehr getan. Es hilft auch nichts, das Renteneintrittsalter anzuheben. Nein, es braucht eine grundlegende Reform, vor der sich Merkel & Co. erfolgreich gedrückt hat. Unter der brüchigen Oberfläche zeichnet sich ein Rentenabgrund ab, wie ein Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium erahnen lässt. „Dem System könnte der Kollaps drohen, wenn in wenigen Jahren die Zahl der Ruheständler aufgrund der Altersentwicklung in der Bevölkerung deutlich steigt und zugleich immer weniger Jüngere durch ihre Beiträge die Rente finanzieren müssen“, schreibt das „Hamburger Abendblatt“.

    Staat plündert die Rentenkasse

    Die Hamburger Journalisten sind aber offensichtlich der Mär aufgesessen, dass der Staat „zubuttert“. Dem ist nicht so. Der Staat gleicht nur die versicherungsfremden Leistungen aus, die er der Rentenversicherung aufgebürdet hat – und leider nur unzureichend, denn diese versicherungsfremden Leistungen sind deutlich höher als das, was der Staat als Ausgleich zahlt. Das heißt im Umkehrschluss, der Staat enteignet die Rentenkasse systematisch – und das schon seit Jahren.

    Wie uns Merkel & Co. verschaukelt haben

    Das kann auf Dauer nur schiefgehen, deswegen warnen „die Experten vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage schon in wenigen Jahren“, wie das Blatt schreibt. Die grundsätzlichen Pro­bleme des Rentensystems seien zwar seit Längerem bekannt; allerdings verbänden die annähernd 40 Forscherinnen und Forscher ihren aktuellen Befund mit einer äußerst kritischen Abrechnung mit der Großen Koalition. Um es einmal plakativ zu beschreiben: Merkel & Co. haben uns alle hingehalten und systematisch verschaukelt. Das Umlageverfahren, so wie es jetzt gestrickt ist und mit all den versicherungsfremden Leistungen kann nur kollabieren. Die Rechnung für viele kostspielige Maßnahmen wie etwa die Rente mit 63, Mütterrente und Grundrente sei von der jüngeren Generation zu zahlen.

    Was wir von Schweden lernen können

    Wie es besser geht, zeigen uns unsere nördlichen Nachbarn. Egal, ob Schweden, Norwegen, Dänemark oder die Niederlande – sie alle haben schon frühzeitig umgesteuert, anders als Deutschland. Aber die Experten kennen nur eine Lösung: die Rente mit 68. Schwach, ganz schwach. Wie einfallslos. Nichts gelernt. Viele können nicht bis 68 Jahre arbeiten, weil die Knie kaputt sind oder das Kreuz ausgeleiert ist. Es gibt andere Lösungen, wie uns die Nachbarn deutlich vor Augen führen. Eine Reform muss her – und dafür braucht es Mut, den Merkel & Co. in den vergangenen 16 Jahren vermissen ließ. „Die Politik muss sich für die Zukunft mehr überlegen als ein teures System auf Pump, das den Jungen in ein paar Jahren um die Ohren fliegt“, kommentiert das „Hamburger Abendblatt“ ganz richtig. Es gehe um Ehrlichkeit, aber auch um Ideenreichtum. „Deutschland sollte den Blick in andere Länder richten, wo eine ähnliche Altersstruktur sichere Renten ermöglicht, ohne dass Bezüge schrumpfen, die Jungen überfordert werden und der Renteneintritt weiter nach hinten verlegt wird“, erinnern die Hamburger richtig.

    Die dafür Verantwortlichen müssen abgestraft werden – am Wahltag. Ein Weiter-So können wir uns als Gesellschaft nicht länger leisten. Gebt denen eine Chance, die bessere Ideen haben als nur das Renteneintrittsalter zu erhöhen.

    Bild von Thomas G. auf Pixabay

  • Rentenpolitik der Groko ist ein Desaster

    Rentenpolitik der Groko ist ein Desaster

    Die Merkel-Regierung hat Rentenreformen systematisch verschleppt. Die Folge ist ein Desaster. Immer mehr Rentner erwartet Altersarmut. Dabei zeigen unsere Nachbarn, wie’s besser geht.

    „Berlin, wir haben ein Problem“ – dieses Mal stammt der Funkspruch nicht von der Besatzung des Raumschiffs Apollo 13, sondern von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der das Rentensystem Deutschlands kollabieren sieht. Ein Gutachten stellt der Rentenpolitik der großen Koalition „ein vernichtendes Zeugnis aus“, wie die „Welt“ schreibt.

    Das Desaster ist programmiert

    Schon heute gleicht die Bundesregierung längst nicht alle versicherungsfremde Leistungen der Rentenkasse aus, die sie ihr in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aufgebürdet hat – mit der Grundrente kam sogar jüngst eine neue Forderungen hinzu. Jetzt sollen die Rentner die verkorkste Rentenpolitik der Merkel-Regierung ausbaden, in dem sie „länger arbeiten und weniger Rente“ bekommen, so die „Welt“.

    Warum nicht von Schweden lernen?

    Statt von den Nachbarn zu lernen, werden weiter Milliarden in das Minus-Geschäft Riester-Rente gepumpt. Das gleiche gilt für die Direktversicherung, die sich für die Versicherten als Rohrkrepierer entwickelt. Aber die IG Metall verkauft sie ihren Mitglieder in Form der Metallrente  immer noch als das Nonplusultra betrieblicher Altersvorsorge.

    Ab 2025 gehe die Generation der Babyboomer in Rente – und dann fliegen Deutschland die Versäumnisse der Merkel-Regierung um die Ohren. „Die Rentenversicherung steuert auf einen Beitragsschock zu, verursacht durch die Rentenpolitik der vergangenen Jahre“, so der Vorsitzende des Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums, Klaus M. Schmidt. Die Merkel-Regierung  habe ungeachtet der demografischen Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung immer neue Zusatzlasten aufgebürdet. Corona wird die Folgen noch verschärfen, so viel dürfte klar sein.

    Nicht nur „Focus Online“ fordert, Deutschland müsse „endlich den skandinavischen Weg gehen“. Warum tut sich die Merkel-Regierung so schwer, von Schweden und Norwegern zu lernen? Vermutlich weil zu viele Versicherungslobbyisten in ihren Reihen sitzen. Erinnert sie nur an Max Straubinger (CSU), den Ex-Generalvertreter der Allianz, der im Gesundheitsausschuss lange Zeit mehr als nur ein Wörtchen bei der Gestaltung von verbraucherfeindlichen Gesetzen mitwirkte und die Doppelverbeitragung von Direktversicherungen noch heute verteidigt.

     

    Bild von Hands off my tags! Michael Gaida auf Pixabay

📁 Archiv – Dies ist eine Archiv-Version der alten DVG-Website (Stand August 2026). Inhalte können veraltet sein. Keine Anmeldung oder Registrierung möglich.  |  Zur aktuellen Website →