Category: Allgemein

  • Wünschen euch allen frohe Ostern

    Wünschen euch allen frohe Ostern

    Wir wünschen euch allen frohe und entspannte Ostern! Die allerbesten Ostergrüße vom DVG. Haltet durch. Bleibt ihn Kontakt mit euren Lieben, auch wenn es zurzeit wegen der Coronavirus-Pandemie nur virtuell sein kann. Aber wozu gibt es Telefon, Zoom, Whatsapp & Co. Passt auf euch auf und bleibt gesund.

    Ermunterung für Ostern

    Als kleine Ermunterung und Hoffnung für die Osterfeiertage: Eduard Mörikes Gedicht „Er ist’s“

    Frühling lässt sein blaues Band
    Wieder flattern durch die Lüfte;
    Süße, wohlbekannte Düfte
    Streifen ahnungsvoll das Land.
    Veilchen träumen schon,
    Wollen balde kommen.
    – Horch, von fern ein leiser Harfenton!
    Frühling, ja du bist’s!
    Dich hab ich vernommen!

     

    Wir überstehen das gemeinsam.

    Frohe Ostern

  • Der große Rentenraubzug

    Der große Rentenraubzug

    Erst Rentenkasse plündern, dann teure Zusatzprodukte zur Altersvorsorge kreieren und schließlich diejenigen, die für ihren Lebensabend vorgesorgt haben, bestehlen. Das wollen sich die Rentner im DVG nicht länger bieten lassen und fordern von der Politik eine Abkehr von der Zweiklassengesellschaft in der Altersvorsorge. Schluss mit dem Rentenraubzug.

    „Die Rente ist sicher“, ob der inzwischen verstorbene frühere Arbeitsminister Norbert Blüm diesen Satz heute noch aussprechen würde? Wohl kaum, denn ein Blick in die Zahlen zeigt: Seit den 50er Jahren klafft eine Deckungslücke in der Rentenkasse, die sich bis 2019 auf rund 870 Milliarden Euro summiert hat. Ohne diese Entnahmen für gesellschaftliche Ausgaben wäre die Rente sogar für künftige Generationen gesichert. Schuld daran ist nicht allein der demografische Faktor, wie uns so genannte Rentenexperten immer gerne weismachen wollen. Die Demografie ist nur ein Grund. Die Hauptursache ist vielmehr das systematische Plündern der Rentenkasse durch so genannte versicherungsfremde Leistungen. So werden etwa Ausgaben für Kriegsfolgelasten oder Entschädigungen von Naziopfern aus der Rentenkasse bestritten. Dafür gibt es zwar einen Zuschuss vom Bund, der aber – zu diesem Ergebnis kommen neben dem Rentenkompetenztteam des DVG auch die Aktion Demokratische Gemeinschaft (ADG) und das Bündnis für Rentenbeitragszahler und Rentner (BRR) – bei Weitem nicht ausreicht. Und was macht die Politik? Anstatt diese gesamtgesellschaftlichen Leistungen gleichmäßig auf alle Menschen im Land zu verteilen, bürdet sie diese Last allein den gesetzlich Rentenversicherten auf.

    Rentenraubzug hat System

    Die Folge dieses übrigens höchstrichterlich abgesegneten Missbrauchs: Eine kontinuierliche Absenkung des Netto-Rentenniveaus von 60 Prozent (1978) auf 48 Prozent im Jahr 2014. Beiträge zur Krankenkasse (seit 1983), Anhebung des Rentenalters ohne Abschläge auf 67, Rentenbesteuerung, Mütterrente und Rente mit 63 für besonders langjährig Versicherte schmälern das Einkommen der älteren Generation zusätzlich. Ein Blick in die europäischen Nachbarländer zeigt: Deutschland ist Schlusslicht bei der Rente. Nicht von ungefähr liegt der Anteil der Rentner bei der dramatisch zunehmenden Altersarmut bei 30 Prozent.

    Dass die Rente allein kein auskömmliches Einkommen fürs Alter ist, hat die Politik längst erkannt, nur hat sie an den falschen Schrauben gedreht. Die Arbeitnehmer wurden mit der betrieblichen und privaten Altersversorgung geködert und dann dafür bestraft. Riester und  Rürup kostet den Staat viel Geld und bringt den Beziehern negative Renditen. Riestern hat vor allem der Finanz- und Versicherungswirtschaft genutzt.

    Volle Beiträge auf Direktversicherungen

    In der Krankenversicherung ist das übrigens dasselbe Spiel. Wer eine  Direktversicherung abgeschlossen hatte, muss  seit 2004 – auch bei zuvor abgeschlossenen Verträgen – Krankenversicherungsbeiträge in voller Höhe bezahlen, um das Loch in den gesetzlichen Krankenkassen zu stopfen. Ein dreister Eingriff bei der privaten Vorsorge fürs Alter, der übrigens höchstrichterlich abgesegnet ist. Der mit dem Betriebsrentenfreibetragsgesetz geschaffene Freibetrag ist bei weitem nicht ausreichend um das verloren gegangene Vertrauen der Betroffenen wieder herzustellen.

    Fein raus sind dagegen die Bezieher berufsständischer Altersversorgungen und vor allem Beamte. Ihre Pension liegt im Durchschnitt dreimal so hoch wie das der Rentenbezieher – ohne dass sie einen Cent einbezahlt haben oder finanziell an den oben genannten gesamtgesellschaftlichen Aufgaben beteiligt werden. Das ist eine extreme Ungleichbehandlung, die dem Allgemeinen Gleichheitsgrundsatz nach Art.3 I Grundgesetz widerspricht.

    Schluss mit Zweiklassensystem

    Schluss mit dem Zweiklassensystem in Rente und Krankenversicherung lautet daher die Forderung an die Politik mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl. Wer einzahlt, darf nicht schlechter gestellt werden als diejenigen, die nicht einzahlen. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben müssen auf alle Schultern verteilt werden und die ungerechte Doppelverbeitragung der Direktversicherungen und betrieblichen Altersvorsorge muss rückgängig gemacht werden. Die Politik darf sich nicht länger davor drücken, ein  gerechtes Rentensystem mit Bestandschutz zu schaffen, in das ALLE, ungeachtet ihres Einkommens, einzahlen.

     

    Faktenblatt Rente

  • Wie es Metallern mit der Metallrente ergeht

    Wie es Metallern mit der Metallrente ergeht

    Hunderttausende Metaller sorgen per Metallrente fürs Alter vor. Ein Metaller hat jetzt nachgerechnet, was für ihn herauskäme in der Rente – seine Enttäuschung war groß. Wie es Metallern ergeht.

    Von Dominik Wenzelburger

    Wie geht es einem Angestellten eines großen Automobilzulieferer mit der  Metallrente? Mehr als 800 000 haben einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen, viele sind sich nicht im Klaren darüber, was das überhaupt bedeutet – und dass sich die Metallrente eben häufig nicht lohnt, teils sogar zum Verlustgeschäft werden kann.

    Wie es Metallern ergeht

    Als Angestellter in der Metall- und Elektroindustrie kam ich in den „Genuss“ der sogenannten Metallrente. (Auf seinem Blog „Depotstudent“ hat Wenzelburger nachgerechnet, was für ihn dabei herauskäme.)

    Was steckt dahinter?

    Was ist die Metallrente?

    Die Metallrente ist eine gemeinsame Gründung von IG Metall und Gesamtmetall. Sie ermöglicht es, dass Arbeitnehmer eine betriebliche Altersvorsorge erhalten können. Dazu gehören der Metallrente zufolge die Metall- und Elektronindustrie, Stahlindustrie, Holz-, Kunststoff-, Textilindustrie und die IT-Branche sowie deren Handwerksbetriebe.

    Wer steht hinter der Metallrente?

    Das “Versorgungswerk Metallrente” ist ein Konsortium aus folgenden Gesellschaften:

    Allianz Lebensversicherungs AG
    Ergo Lebensversicherungs AG
    SwissLife AG Niederlassung für Deutschland
    R V Lebensversicherung AG
    Vertragspartner ist dabei die Allianz Lebensversicherungs AG

    Lohnt sich die Metallrente?

    Bevor wir uns die verschiedenen Möglichkeiten der Metallrente anschauen, wollen wir zunächst die Frage klären: Lohnt sich das für Arbeitnehmer? Denn für den Arbeitgeber hat es einen schönen Vorteil: Er zahlt keine Sozialversicherungsbeiträge. Genau genommen handelt es sich also nicht um ein „Geschenk“ vom Arbeitgeber. Denn der Arbeitgeber profitiert selbst zu einem gewissen Teil davon.

    Rechenbeispiel

    Hierzu nehmen wir den Schnellrechner auf der Metallrente-Website zur Hand. Dabei wird mittels des Tarifs „Metallrente Direktversicherung Profil“ gerechnet.

    Wir schauen uns eine Musterrechnung auf der Metallrente-Website an. Hier liegen folgende Annahmen zugrunde:

    • 40 Jahre Laufzeit/Ansparphase
    • Erhalt von AVWL/VL*
    • Monatlicher Gesamtbetrag von 100 €
    • Davon 38 Euro monatlicher Nettoaufwand

    *AVWL/VL steht für altersvermögenswirksame Leistung und vermögenswirksame Leistung

    Ergebnis: Ein Nettoaufwand von 38 Euro pro Monat bringt eine monatliche Brutto-Metallrente von 292 Euro.

    Da diese Berechnung offiziell auf der Metall-Rente-Website dargestellt ist, können wir dies als „Werberechnung“ ansehen – es wurden also realistische, aber mit Sicherheit eher positive statt negative Annahmen für die Metallrente getroffen. So zumindest meine Erfahrungen mit offiziellen Materialien solcher Anbieter.

    Dabei ist folgendes zu beachten hinsichtlich Steuer und Sozialversicherung: „Arbeitnehmer müssen in der Rentenphase die vollen Kranken- und Pflegeversicherungsanteile (also auch den Arbeitgeberanteil) und den normalen Steuersatz zahlen. Sie zahlen also doppelt.“ Stand März 2021 beträgt der 18,95 Prozent (14,6 Prozent + 1,3 Prozent + 3,05 Prozent); Kinderlose zahlen sogar 19,2 Prozent. Und dabei dürfte es nicht bleiben, denn die Krankenkassen haben für 2022 bereits weitere Erhöhungen angekündigt.

    Ansparphase:

    • Monatlicher Gesamtbetrag 100 Euro
    • Keine Steuern auf diese 100 Euro -> 21 % Steuerersparnis
    • Keine Sozialabgaben auf diese 100 Euro
    • Arbeitgeber spart sich die Sozialabgaben (wird später noch wichtig)

    Ergebnis: Du sparst Dir 21 Prozent Steuern + 20 Prozent Sozialabgaben

    Rentenphase:

    • Ausgangsbasis 292 Euro monatliche Metall-Rente brutto
    • Betriebsrente voll steuerpflichtig (Steuersatz 20 % -> 58 Euro)
    • „doppelte“ Sozialabgaben 18,95 Prozent -> 55 € Abgaben
    • Netto-Metallrente: 179 Euro

    Ergebnis: Ein Nettoaufwand von 38 Euro pro Monat bringt eine monatliche Netto-Metallrente von 179 Euro.

    Alternativen

    Der Metallrente-Test zeigt: Vom Brutto bleibt gar nicht so viel übrig, wie es anfangs den Anschein machte. Aber wie sieht das bei Alternativen aus – beispielsweise bei einem ETF-Sparplan?

    ETF-Sparplan in der Ansparphase:

    • 38 Euro monatlicher Netto-Aufwand als monatliche Sparrate
    • ETF-Sparplan ist in der Ansparphase praktisch steuerfrei (außer Basisertrag, aber der ist vernachlässigbar)
    • Weltweite Aktien-ETFs verbuchten historisch sieben bis acht Prozent Rendite pro Jahr mit Kosten von etwa 0,2 Prozent pro Jahr
    • Wir gehen von sieben Prozent Wertentwicklung pro Jahr aus
    • Endkapital nach 40 Jahren: 94.000 Euro

    ETF-Sparplan in der Rentenphase:

    • Wenden wir die Vier-Prozent-Regel der „ewigen Rente“ an: 313 € monatliche Brutto-Rente
    • Es werden 25 Prozent Kapitalertragsteuer fällig -> 78 Euro
    • Netto ETF-Rente: 235 Euro
    Zusatz-Vorteil gesetzliche Rente:

    Der ETF-Sparplan verringert nicht eine gesetzliche Rente, da alles aus dem Netto gezahlt wird. Anders bei der Betriebsrente, da sie per Entgeltumwandlung vom Brutto-Lohn gezahlt wird, verringert sie deine gesetzliche Rente. Das heißt, du bekommst weniger gesetzliche Rente, weil du weniger eingezahlt hast.

    Was heißt das konkret bei der Metallrente?  Bei dem monatlichen Gesamtbetrag für die Metallrente in Höhe von 100 Euro hat der Arbeitnehmer laut Metallrente Verlust  in der gesetzlichen Rentenversicherung von etwa 24 Euro zu erwarten. Sagen wir also etwa einen Verlust von 20 Euro Netto-Rente unter Berücksichtigung der Besteuerung des Ertragsanteils der gesetzlichen Rente.

    Ergebnis ETF-Sparplan, den Vorteil bei der gesetzlichen Rente berücksichtigt:
    258 Euro Netto-Rente (235 + 23)

    Zusatz-Vorteil Steuer:

    Da die Erträge aus dem ETF-Sparplan Kapitelerträge sind, wird keine Einkommensteuer fällig. Dadurch sinkt dein persönlicher Steuersatz. Der ETF-Sparplan sorgt also sogar noch zusätzlich dafür, dass dein Einkommensteuersatz gering bleibt und du mehr von Deiner gesetzlichen Rente hast.

    Dazu folgendes Beispiel:

    Variante 1: Beispiel gesetzliche Rente + Metallrente
    • 1.000 Euro gesetzliche Rente
    • 500 Euro Metallrente
    • Ergebnis: Auf 1.500 Euro Rente wird Einkommensteuer angesetzt -> hoher Einkommensteuersatz (etwa 10 Prozent Durchschnittsteuersatz) auf die gesetzliche Rente + Betriebsrente.
    Variante 2: Beispiel gesetzliche Rente + ETF-Sparplan
    • 1.000 Euro gesetzliche Rente
    • 500 Euro Rente aus ETF-Portfolio
    • Ergebnis: Auf 1.000 Euro Rente wird Einkommensteuer angesetzt -> niedriger Einkommensteuersatz (etwa drei Prozent Durchschnittsteuersatz) auf die gesetzliche Rente.

    Ergebnis: Du erhältst in Variante 2 sogar noch mehr netto aus der gesetzlichen Rentenversicherung, da Dein Einkommensteuersatz geringer ist.

    Metallrente vs. ETF-Sparplan

    Metallrente netto: 179 € -> tendenziell sogar weniger, da erhöhter Einkommensteuersatz.

    ETF-Sparplan (mit gesetzlicher Rente) netto: 258 € -> tendenziell sogar mehr, da verringerter Einkommensteuersatz.

     

    Das ist lediglich eine vereinfachte Rechnung. Entscheidend ist unter anderem, ob ein Altersvorsorger die Vier-Prozent-Regel anwendet (die historisch gesehen statistisch abgesichert ist) oder ob er lieber einen größeren Sicherheitsfaktor hätte und daraus eine 3,5-Prozent- oder 3,0-Prozent-Regel macht.

    Andererseits ließe sich argumentieren, dass es sich bei den Metallrente-Annahmen lediglich um eine „werbliche“ Musterrechnung der Metallrente handelt. Es ist die Frage, ob diese errechnete Rente wirklich erreicht wird.

    Das Ergebnis ist also mit Vorsicht zu genießen, da sich die Parameter im Laufe der Zeit ändern können. Was aber schnell klar wird: Die betriebliche Altersvorsorge per Metallrente ist keineswegs der klare Gewinner – im Gegenteil.

    Ein ETF-Sparplan – auch wenn nur ein “kleiner” – ist daher aus meiner Sicht für jeden Pflicht!

    Metallrente-Erfahrungen:

    • Der „Kern“ der Metallrente rentierte in der Vergangenheit schlechter als ein normaler ETF-Sparplan.
    • Durch zusätzliche „Garantien“ fällt die Rendite oft noch schlechter aus, da nicht alles Kapital am Aktienmarkt investiert werden kann.
    • Die Metallrente wird voll versteuert und ist voll sozialversicherungspflichtig.
    • Die Metallrente führt zu Abzügen in der gesetzlichen Rentenversicherung.
    • Die Verträge sind mit Kosten belastet, die die Rendite schmälern.
    • Die Metallrente unflexibel.
    • Die Metallrente bereitet Probleme bei Arbeitgeberwechsel.

    Was ist meine Handlungs-Empfehlung?

    Diese Empfehlung bezieht sich darauf, was ich persönlich tun würde. Sie stellt keine allgemeingültige Empfehlung für Dich dar, denn das kannst natürlich nur Du selbst entscheiden.

    Du hast noch keine Metallrente?

    • Nur mitnehmen, was “kostenlos” ist = geschenktes Geld vom Arbeitgeber
    • Keine Entgeltumwandlung und kein Eigenanteil!
    • Den Rest anderweitig investieren.

    Du hast bereits eine Metallrente?

    • Vertrag beitragsfrei stellen.
    • Nur noch mitnehmen, was “kostenlos” ist.

     

    Bild von Emir Krasnić auf Pixabay

  • Privatversicherte wollen sich drücken

    Privatversicherte wollen sich drücken

    Wegen Corona droht den Krankenkassen ein gewaltiges Defizit. Privatversicherte – auch Beamte – wollen sich vor den Kosten drücken. Ist das fair? Gib Drückebergern keine Chance!

    von Karin Tutas

    Einen Tag nach den Erfolgen von Grünen und SPD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinlandpfalz bringt sich der Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV) in Stellung. Ausgerechnet zwei Parteien, die eine Bürgerversicherung befürworten, wittern Morgenluft für eine neue Regierungskoalition nach der im September anstehenden Bundestagswahl. Da wollen die Privaten Krankenversicherungen besser vorbeugen.

    28 Prozent Krankenversicherungsbeiträge

    Wovor die Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) seit Jahren warnen, hat sich der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) durch eine Studie seines Wissenschaftlichen Instituts (WIP) bestätigen lassen: Der GKV drohe in den kommenden Jahren ein immer größeres Defizit, nicht nur wegen Corona, sondern weil die Leistungen in den vergangenen zehn Jahren immer weiter ausgedehnt wurden. Kostentreiber seien unter anderem die Alterung der Gesellschaft, der medizinisch-technische Fortschritt sowie Reformen, die zu erheblichen Leistungsausweitungen geführt hätten. Deshalb seien starke Beitragserhöhungen zu erwarten.  Je nach Szenario würden die Beitragssätze bis zum Jahr 2030 von heute 14,6 Prozent auf 15,5 bis 20,6 Prozent steigen. Für 2040 sagen die Forscher sogar 16,7 bis 28 Prozent voraus. Um dieser Steigerung entgegenzuwirken, müsste sich der Bundeszuschuss bis 2030 mindestens auf 30 Milliarden Euro im Jahr verdoppeln, hat das WIP errechnet.

    Die vom PKV aufgezählten Ursachen für die hohen Kosten der GKV sind jedoch nur die halbe  Wahrheit. Seit Jahrzehnten werden die Krankenkassen und auch die Rentenversicherung durch versicherungsfremde Leistungen geplündert. Beitragsfreie Familienversicherung, Leistungen rund um Schwangerschaft und Mutterschaft, Elterngeld. Allein zehn Milliarden Euro jährlich beträgt das Defizit in den gesetzlichen Krankenkassen für die Versicherung von ALG-II-Empfängern, weil der Bundeszuschuss nicht einmal die Hälfte der Kosten deckt. Dabei sieht der Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung schrittweise kostendeckende Beiträge des Bundes  aus Steuermitteln vor.

    Beamte sind fein raus

    Mehr als 42 Milliarden jährlich für gesamtgesellschaftliche Aufgaben werden den Kassen aufgebürdet – bei einem Bundeszuschuss von derzeit 14,5 Milliarden. Das Defizit von mehr als 27 Milliarden wird auf den Schultern der gesetzlich Versicherten verteilt. Und die Besserverdienenden, privat Versicherten – auch Beamte – sind fein raus. Wie die Löcher in den gesetzlichen Kassen gestopft werden, haben die gesetzlich Versicherten Inhaber einer Direktversicherung sowie Betriebsrentner 2004 aufs Schmerzlichste erfahren: Sie zahlen seitdem auf ihre betriebliche Altersvorsorge rund 19 Prozent Kranken- und Pflegeversicherung.

    „Höhere Bundeszuschüsse würden die Finanzprobleme der GKV nicht lösen, sondern nur verstecken. Die Steuerzahler werden zusätzlich belastet und die Gesundheitsversorgung gerät in Abhängigkeit des Finanzministers“, lautet angesichts der düsteren Prognose des WIP die Schlussfolgerung von PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Als ob die gesetzlich Krankenversicherten keine Steuerzahler wären.  Der PKV hat da wohl eher die eigene Klientel und vor allem die Versicherungswirtschaft im Blick.

    Eine Reform ist längst überfällig

    Aber die Löcher in der  GKV ist auch nicht durch höhere Zuschüsse zu beheben. Da hilft nur eine grundlegende Reform. Gegen eine Bürgerversicherung, also eine solidarische Krankenversicherung, in die alle – auch Gutverdienende und Beamte – einzahlen, aber stemmt sich die PKV mit aller Macht. Würde die CDU, die eine Bürgerversicherung ebenfalls ablehnt,  im September abgewählt werden, müsste sich die PKV auf raue Zeiten einstellen.

     

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  • Wie Verdi seine Mitglieder verschaukelt

    Wie Verdi seine Mitglieder verschaukelt

    Die Mitglieder von Verdi sollen ausgerechnet bei zwei der ineffizientesten Versicherern eine betriebliche Altersvorsorge abschließen – da lohnt es sich, genau hinzuschauen, um nicht verschaukelt zu werden.

    „Deutsche Betriebsrente“ klingt so offiziell – dabei steckt hinter dem Begriff eine Kooperation der Versicherer HDI/Talanx und Zurich Versicherung. Diese beiden wollen den Markt der betrieblichen Altersvorsorge abräumen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi spielt offensichtlich mit.

    Bislang gibt es “Fonds Professionell” zufolge in der Praxis kein einziges Sozialpartnermodell (SPM), obwohl das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) bereits seit 2018 in Kraft ist. Weil sich kein anderes Unternehmen für dieses von Ex-SPD-Chefin, Ex-Bundesministerin für Arbeit und Soziales und heutiger Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation, Andrea Nahles, erfundene Sozialpartnermodell im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes gefunden hat, springt Talanx selbst als Referenz ein, um die „Deutsche Betriebsrente“ anzuschieben. Die Talanx-Beschäftigten sollen Vorreiter spielen und werden von ihrem Arbeitgeber mit allen möglichen Vorteilen geködert. So bekommen sie den gesetzlichen Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent, ferner zahlt Talanx ihnen für jeden Euro Beitrag einen Zusatz-Sicherungsbeitrag, Geringverdiener bekommen eine zusätzliche Förderung. Ab 1. Juli 2021 steht den Beschäftigten der Talanx-Gruppe die „Deutsche Betriebsrente“ offen, so das Konsortium. Der Zurich-Chef Carsten Schildknecht sieht diesen Deal der „Versicherungswirtschaft heute“ zufolge als „bAV-Blaupause“.

    Kostenquote der Lebensversicherer

     

    Lebensversicherer Realistischer Zins Vergleich hist. Zins Abschlusskostenquote Verwaltungskostenquote Kosten gesamt
    Direkt Leben2.74.410.32.312.6
    Ergo2.34.46.94.111
    HDI2.34.57.63.411
    Nürnberger2.34.46.43.39.7
    VPV2.34.36.63.19.7
    Zurich Deutscher Herold2.35.05.72.98.6
    Generali2.444.33.88.1
    Iduna Vereinigte2.44.64.63.58.1
    Familienfürsorge2.54.45.42.57.9
    WWK2.45.54.82.87.6
    Ideal2.44.74.03.47.4
    Münchener Verein2.44.24.437.4
    Condor2.44.24.72.67.3
    Branchen-Maßstab2.44.54.72.57.2
    Stuttgarter2.54.84.92.27.1
    Ergo Direkt2.53.84.92.17.0
    LV von 1871 2.44.44.62.36.9
    Volkswohl Bund 2.44.44.31.96.2
    Alte Leipziger 2.45.24.51.66.1
    Allianz2.44.84.21.15.3
    Huk-Coburg 2.74.43.51.85.3
    Europa 2.64.33.80.84.6
    CosmosDirekt 2.14.22.60.93.5
    Stand: 2017

    Kosten, die beim Vertragsabschluss zum Beispiel für Provisionen an den Vermittler anfallen, als Anteil an den Gesamtbeiträgen aller neuen Verträge (Mittelwert 2014 bis 2016); jährliche Verwaltungskosten, als Anteil an den Versicherungsbeiträgen (Mittelwert 2014 bis 2016)   Quelle: Wirtschaftswoche | Softfair Analyse GmbH, Professor Jörg Finsinger

    Was sagt Verdi dazu?

    Was sagt Verdi dazu? Die Beschäftigten bekämen eine „reine Beitragszusage“ – mehr aber schon nicht. Das heißt, sie können sich nur darauf verlassen, dass sie zumindest nach dem „Kopfkissenprinzip“ das eingezahlte Geld herausbekommen. Ansonsten können sie nur hoffen, dass der Versicherer das Geld am Aktienmarkt vermehrt, Garantie dafür gibt’s keine. Das sagt Verdi seinen Mitgliedern nur verklausuliert: „Sicherheit kann auch durch neue, die Volatilität des Versorgungsvermögens abmildernde und durch Sicherungsbeiträge der Arbeitgeber finanzierte Puffer-Mechanismen erreicht werden.“

    Die Nahles-Betriebsrente gibt’s nur für Beschäftigte in Unternehmen mit Tarif – alle anderen bleiben außen vor. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz schreibt vor, „dass sich die Tarifvertragsparteien an der Durchführung und Steuerung des Sozialpartnermodells beteiligen müssen“, wie Verdi erklärt. Gut für Versicherer und Gewerkschaften, schlecht für Beschäftigte.

    Mitglieder verschaukelt

    Verdi glaubt immer noch an das Märchen, dass „ein Sozialpartnermodell dauerhaft nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn große Versicherungskollektive entstehen, denn dann können durch Skaleneffekte niedrige Kosten realisiert werden“. Mit Talanx und Zurich hat sich Verdi aber ausgerechnet die Versicherungsunternehmen mit vergleichsweise hohen Abschluss- und Verwaltungskosten ausgesucht. Für jeden, der rechnen kann, dürfte klar sein, dass hohe Kosten die Rendite auffressen. Mit diesem Deal hat Verdi ihren Mitgliedern einen Bärendienst erwiesen.

    Es dürfte jedem klar sein, dass Talanx mit seiner „Deutschen Betriebsrente“ im eigenen Konzern einen Türöffner entwickelt hat. Damit wollen sie auch andere Verdi-Unternehmen und natürlich Verdi-Mitglieder ködern. Wie schreibt Verdi so schön: „Das Sozialpartnermodell bei der Talanx soll daher in der Folge nicht nur für die eigenen Beschäftigten im Konzern umgesetzt werden, sondern ist ein Angebot an andere Arbeitgeber und Branchen, über entsprechende Tarifverträge dem Sozialpartnermodell beizutreten.“

    Die Verdi-Rente soll ähnlich funktionieren wie die Metallrente: „Arbeitgeber und Gewerkschaft beauftragen die ‚Deutsche Betriebsrente‘ (das Konsortium aus HDI/Talanx und Zurich Versicherung) mit der Durchführung der Altersvorsorge als reine Beitragszusage.“ Umgesetzt werden soll das Modell der Entgeltumwandlung über eine klassische Direktversicherung mit Garantien oder über das Sozialpartnermodell.

    Geringe Kosten?

    Verdi verspricht einen „geringen Kostensatz bei „den beitragsbezogenen Abschluss- und Verwaltungskosten“. Aber „gering“ ist relativ, wie der Vergleich der Abschluss- und Verwaltungskosten zeigt.

    Immerhin hat Verdi erkannt, dass nur eine „breite Arbeitgeberbeteiligung oberhalb der gesetzlich verpflichtenden Weitergabe der Sozialversicherungsersparnis bei der Entgeltumwandlung“ die „Grundlage ist für eine gute betriebliche Altersvorsorge“. Allein aus der Entgeltumwandlung der Beschäftigten lasse sich keine Leistung aus der betrieblichen Altersvorsorge aufbauen, die als „Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung den Lebensstandard im Alter sichert“. Auf gut Deutsch – der Arbeitgeber muss mehr als die 15 Prozent zur betrieblichen Altersvorsorge dazuzahlen, sonst wird das nichts mit einem auskömmlichen Einkommen im Alter.

    Die „Deutsche Betriebsrente“ ist eine Todgeburt und fördert nur das Geschäft von HDI/Talanx und Zurich Versicherung. Wann endlich wollen die Gewerkschaften lernen, dass das der falsche Weg ist. Warum sich nicht ein Beispiel nehmen an den Schweden mit ihre AP7, der mit deutlich niedrigeren Kosten wirtschaftet?

    Wenn Verdi glaubhaft etwas für seine Mitglieder anbieten will, dann muss die Dienstleistungsgewerkschaft die Kosten einer solchen Lösung offenlegen. Der Verweis auf „gering“ reicht nicht. Was Verdi ihren Mitgliedern geflissentlich verschweigt: In der Auszahlungsphase hält die Krankenkasse bei Direktversicherungen die Hand auf und verlangt annähernd 20 Prozent der ausbezahlten Summe – das bisschen Freibetrag lindert den Schmerz über diesen Verlust nur wenig.

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  • Mitgliederversammlung verschoben

    Mitgliederversammlung verschoben

    Die Mitgliederversammlung des DVG verschiebt sich vom 17. April auf den 26. Juni 2021. Veranstaltungsort Kassel bleibt.

    Bitte streicht euch den 26. Juni 2021 ganz dick im Kalender an. An diesem Tag findet die Mitgliederversammlung des DVG in Kassel statt – und nicht wie ursprünglich geplant am 17. April.

    Mitgliederversammlung verschoben

    Ja, nein, vielleicht online – der Vorstand hat sich die Entscheidung in punkto Mitgliederversammlung wirklich nicht leicht gemacht. Die geplante Mitgliederversammlung im April muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Der Vorstand hat auch eine reine Online-Versammlung ins Kalkül gezogen, ist aber wieder davon abgekommen. Schließlich hat er sich für einen späten Präsenztermin entschieden – und zwar jetzt den 26. Juni 2021. Die Wahl des Veranstaltungsorts ist auf Kassel gefallen, weil Kassel zentral liegt und verkehrstechnisch gut zu erreichen ist – mit dem Auto und dem Zug. Mit dem Hotel H4 hat der Vorstand bereits bei einer Klausurtagung gute Erfahrungen gemacht. Das Hotel hat auch einen verfügbaren größeren Saal. Wir können nur hoffen, dass die AHA-Regelungen (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) bis zur Mitgliederversammlung nicht wieder verschärft werden.

    Details

    Hier noch einmal die genauen Daten:

    Ort: Baumbachstraße 2 · 34119 Kassel, H4 Hotel
    Datum: 26. Juni 2021, 13:00 Uhr

    Anmeldung: Wer kommt, muss sich wegen Corona verbindlich anmelden. Verbindlich anmelden, heißt verbindlich kommen. Wer sich angemeldet hat und nicht kommt, belastet alle anderen im Verein, denn für die angemeldeten Plätzen muss der Verein zahlen.

    Anmeldeverfahren: Bitte klicken Sie hier, um sich zur Mitgliederversammlung anzumelden: Anmeldeformular

    Treffen der Regionalgruppen-Sprecher:  Die RG-Sprecher treffen sich bereits am Samstagvormittag. Näheres erfahren sie von Bernd Krüger, dem Koordinator DVG-Netzwerke.

    Über Details werden wir in den kommenden Wochen per Newsletter und auf der Homepage sowie in Facebook laufend informieren.

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  • Phalanx aus Politik, Versicherern und Industrie gegen Sparer

    Phalanx aus Politik, Versicherern und Industrie gegen Sparer

    Politik, Versicherern und Industrie bilden eine Phalanx gegen Vorsorgesparer. Versicherer und Industrie sind die Gewinner, Sparer die Verlierer. Diesen Eindruck bekam, wer die Vorträge auf der Konferenz „Zukunftsmarkt Altersvorsorge 2021“ aufmerksam verfolgte.

    Von Reiner Korth

    Am 2. und 3. März 2021 trafen sich Politiker, Versicherer und Industrielle auf der Branchen-Konferenz „Zukunftsmarkt Altersvorsorge 2021“. Reiner Korth, stellvertretender Bundesvorsitzender DVG, hat sich die Vorträge angehört und die Diskussion verfolgt. Hier sein Bericht:

    Wie geht’s weiter mit der Altersvorsorge?

    Wie der Titel schon aussagt, beschäftigten sich die Vorträge mit der grundsätzlichen Fragestellung, ob und in welchem Umfeld für das Thema „Altersvorsorge“, sowohl der betrieblichen als auch der privat finanzierten, weiterhin noch ein „Markt“ vorhanden ist – um neue Versicherungsabschlüsse und Verträge generieren zu können – und wie dieser zu gestalten ist unter Berücksichtigung von Minizinsen, staatlicher Förderung und staatlichen Abgaben, wobei über letzteres jedoch ungern geredet wurde. Die Rede ist von den annähernd 20 Prozent Sozialabgaben, die allein vom Versicherten zu tragen sind.

    Die Referenten kamen aus der freien Wirtschaft (Evonik, Bosch), aus der Finanzindustrie (Targo Bank, Aeiforia, Willis Towers Watson, Finanztip), aus Verbänden (BVI, BDA, Pension-Sicherungs-Verein, Bund der Versicherten, Bundesverband Verbraucherzentrale, GDV ) und aus staatlich, politischen  Institutionen (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bundesministerium für Finanzen, Deutsche Rentenversicherung DRV, MIT, OECD). Teilnehmer an den verschiedenen Podiumsdiskussionen waren Politiker aller Parteien, darunter Matthias Birkwald von den Linken, Peter Weiß (CDU/CSU), Markus Kurth (Grüne), Johannes Vogel (FDP) und Jörg Meuthen (AfD).  Gefehlt hat wohl ein politischer Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit – genau dieses Bundesministerium ist wegen der 20-prozentigen Kranken- und Pflegebeiträge auf Betriebsrenten und Direktversicherungen der größte „Renditekiller“ im Markt Altersvorsorge ist. Die Diskussion wurde zu großen Teilen von Versicherungsmathematikern und Demographie-Statistikern beherrscht.

    Zukunftsmarkt Altersvorsorge
    Live in der Konferenz Zukunftsmarkt Altersvorsorge (li) Johannes Vogel (FDP), (re)Matthias Birkwald (Linke) Bild: MCC

    Phalanx aus Politik, Versicherern und Industrie

    Während der Veranstaltung hat sich mein Eindruck verfestigt, dass es eine Allianz zwischen Politik, Versicherungswirtschaft und Industrieunternehmen gibt. Die Politik ist froh, dass es einen Markt „betriebliche und private Altersvorsorge“ gibt. Darauf kann sie verweisen – und sich rausreden – , wenn es um das „Rentenniveau“ der gesetzlichen Rente geht, das mit 48 Prozent eines der niedrigsten ist im europäischen Vergleich. Das spielt der Versicherungswirtschaft in die Hände, die sich über neue Verträge, Umsatz und Geschäfte freut.

    Aber auch den Industrieunternehmen kommt die jetzige Situation zugute, sparen sie doch bei der Entgeltumwandlung Sozialabgaben. Bewerber ködern sie mit „Direktversicherungen“ oder einem Pensionsfonds, wohl wissend, dass sie selbst davon profitieren. Den jungen Mitarbeitern ist zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, dass die in Aussicht gestellte Betriebsrente brutto ausbezahlt wird, wovon später Steuern und Sozialabgaben weggehen – und zwar der Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil. Das heißt auf gut Deutsch: Was der Arbeitgeber jetzt an Sozialversicherungsbeiträgen spart, zahlt der Arbeitnehmer später in der Rente an Krankenkasse und Staat.

    Intransparenz als Vorteil

    Politik, Versicherungen und Industrie haben ein hohes Interesse, dass dieses zum Teil intransparente Finanzsystem weiter gut funktioniert, weil sie alle davon profitieren  – alleinig und einseitig zu Ungunsten und zu Lasten des Beschäftigten und Versicherten.

    Aus dem Gesagten dürften klar werden, dass es für uns als DVG so schwer ist, diese Phalanx zu knacken.

    Zahlen und Statements

    Einige signifikante Statements und Zahlen aus den Vorträgen:

    • Die Verbreitungsquote der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) ist leicht rückläufig – von 54,6 auf 53,9 Prozent (Stand Dezember 2019)
    • Es existieren 15,2 Millionen BAV-Verträge in der Privatwirtschaft
    • und zusätzlich 5,8 Millionen Verträge Zusatzversorgung im Öffentlichen Dienst
    • von den 15,2 Millionen bAV-Verträgen in der Privatwirtschaft sind 5,2 Millionen „Direktversicherungen“  mit einem Kapitalvolumen von 68,6 Milliarden Euro
    • Insgesamt sind es 21,0  Millionen „Anwartschaften“, sprich Verträge bei 18,2 Millionen „Beschäftigten“ (Bezugsberechtigte) – Thema: kleiner Personenkreis mit mehreren Verträgen
    • Ergebnis der vom Bund eingesetzten Rentenkommission:
      – eine weitere „umfassende Verbreitung“ der betrieblichen und privaten Vorsorge ist notwendig,
      – die aktuell 16 Millionen Riesterverträge reichen nicht aus,
      – „Drohung“ des Endes der Freiwilligkeit bei mangelnder Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge besteht
      –  Einführung eines „Obligatoriums“ ab 2025 in Vorbereitung

    Für alle, die nicht so sehr mit Verwaltungsdeutsch vertraut sind, hier meine Übersetzung: Wenn die Anzahl der Verträge und die Höhe der Kapitaleinlagen für die betriebliche und die private Altersvorsorge bis 2025 nicht weiter signifikant steigt, dann führt der Staat per Gesetz einen Zwang („Oligatorium“) zum Abschluss eines betrieblich/privaten Vorsorgevertrages für jeden Arbeitnehmer ein, zur zusätzlichen Absicherung seines Rentenniveaus im Alter. Das wird noch spannend.

     

    Bild: iStock/ewg3D

  • “Allerdings sterben diese aus …”

    “Allerdings sterben diese aus …”

    Politiker hoffen, dass sich Unrecht von selbst erledigt, wenn die Opfer gestorben sind. Da täuschen sie sich. Wir Alten werden unsere Kinder und Enkel davor warnen, eine Direktversicherung abzuschließen, die sich im Nachhinein als Minus-Geschäft entpuppt. Also von wegen sterben …

    Zum Artikel “Versicherer verbrennen unser Geld” von Reiner Wellmann

    Kommentar von Reiner Korth, stellvertretender Bundesvorsitzender des DVG

    Das Zitat eines Versicherungsvertreters (Thomas P. schrieb in Facebook „Allerdings sterben diese aus und dann ist das Thema Doppelverbeitragung vorbei) in der kontroversen Diskussion zwischen NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann und Teilen der Versicherungsbranche ist ein entlarvendes Indiz, wie Politik und Versicherungswirtschaft über die Rentnergeneration denken.

    Politiker werden von uns bezahlt

    Das ist mieser Stil, ein entwürdigendes Szenario. Diese Rentnergeneration der heute 60-, 70- und 80-jährigen Rentner hat dieses Deutschland nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut. Sie hat dieses Land zu seiner ökonomischen und sozialen Prosperität geführt. Vielleicht muss man einem NRW-Minister noch einmal erklären, dass sein Monatsgehalt und seine spätere Pension von uns Arbeitnehmern durch unsere Steuerzahlungen erwirtschaftet werden. Und vielleicht muss man den Versicherungsagenten einmal erklären, dass wir Werktätigen mit unseren Versicherungsbeiträgen auch ihren Arbeitsplatz finanzieren.

    Es ist ein Skandal, wenn Politiker und Versicherungswirtschaft klamm heimlich darauf hoffen, politisches Unrecht erledige sich auf natürliche Weise durch Aussitzen. Das wird es garantiert nicht. Der DVG und seine Mitglieder kämpfen nicht nur für die Beseitigung des ihnen angetanen Unrechts (Stichwort GMG 2004); der DVG sieht auch eine wesentliche Aufgabe darin, die Öffentlichkeit, vor allem die jungen Leute aufzuklären. Unsere eigenen Kinder müssen davor bewahrt werden, dass sie nicht noch einmal den gleichen Fehler machen wie ihre Väter und Mütter. Sie müssen davor bewahrt werden, von der Politik später hereingelegt werden zu können, wenn nachträglich Gesetze gemacht werden, die 20 Prozent Abgaben auf Vorsorgeverträge erzwingen – Abgaben, die bei Vertragsabschluss überhaupt nicht bekannt waren und daher nicht einkalkuliert waren. Und sie müssen davor bewahrt werden, bei den Versicherungskonzernen die angeblich so wertvollen Vorsorgesparpläne abzuschließen, um dann hinterher schmerzhaft zu erfahren, dass sie weniger rausbekommen als sie über 20 oder 30 Jahre lang netto eingezahlt haben. Solche Ansparpläne braucht niemand.

    Angst vor Altersarmut

    Die Themen Altersarmut und Altersvorsorge bekommen gerade aktuell wieder große Aufmerksamkeit, weil sie zunehmend hohen Risiken ausgesetzt sind. Zum einen begründet in der anhaltenden Niedrigzinsphase, zum anderen belastet durch exorbitant steigende, gesetzliche Abgaben. Gewinner sind die Versicherer und die Politiker, auf der Strecke bleibt der Versicherte, der fleißige Steuer- und Beitragszahler. Politiker, die nachträglich abkassieren und den Verbraucherschutz mit Füßen treten (Stichwort: einmal geschlossene Verträge sind einzuhalten), braucht kein Mensch. Im September sind Bundestagswahlen. Die Politik muss valide Antworten geben. Alle Parteien werden sich den Fragen der Vorsorgesparer stellen müssen, wenn sie verlorenes Vertrauen in die Altersvorsorge wieder gewinnen möchten.

    Merke! Die jungen Arbeitnehmer, die heute auf der Suche nach Vorsorgesparplänen sind, um einer Altersarmut entgegenzuwirken, das sind die Rentner von morgen. Sie alle haben eine Stimme bei der nächsten Bundestagwahl. Und sie wollen nicht so getäuscht werden, wie ihre Eltern getäuscht wurden.

     

    Bild: iStock/PPSK

  • Wie Versicherer unser Geld verbrennen

    Wie Versicherer unser Geld verbrennen

    NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann fällt ein vernichtendes Urteil über die Abzocke der Versicherer – und bekommt sofort Gegenwind. Worauf sich ein heftiger Schlagabtausch in den Sozialen Medien entfacht. Worum geht’s? Versicherer verbrennen unser Geld.

    von Reiner Wellmann

    Der CDU-Sozialpolitiker wirft den Versicherern „immense Abschlusskosten, hohe Verwaltungskosten, nahezu wertlose Garantien und keine Rendite“ vor, wie die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt. Nur die staatliche Zulage mache die Produkte der Versicherer attraktiv. So kann Altersvorsorge aber nicht funktionieren. Das ist Geld Verbrennen.

    “Allerdings sterben diese aus …”

    Das wollte Michael Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), nicht so stehen lassen – und gab Laumann auf der Branchen-Plattform „Pfefferminzia“ kontra. Worauf sich in „Facebook“ ein heftiger Streit entfachte, in dessen Verlauf ein Signal-Iduna-Makler sich zu dem Satz verstieg „ … klar ist das mit den Verträgen von vor 2004 nicht richtig, allerdings sterben diese aus und dann ist das Thema Doppelverbeitragung vorbei“.

    Auf der Facebook-Seite des Versicherungs-Fachmagazins „Pfefferminzia“ („Das Informationsmedium für Versicherungshelden in Deutschland“) wird ähnlich verbissen gekämpft wie in den Bundesliga-Stadien. Auslöser war dieses Posting von Heinz gegen den „verbalen Rundumschlag des CDU-Sozialpolitikers Karl-Josef Laumann gegen die Versicherungswirtschaft und deren Rolle in der privaten Altersvorsorge“. DVG-Mitglied Norbert Wichmann hatte als Reaktion dazu einen Beitrag des Metallbau-Magazins gepostet. In dem gut recherchierten Bericht wird auch der Verein der Direktversicherungsgeschädigten zitiert, der auf die nachträglich eingeführte Beitragspflicht (Kranken- und Pflegeversicherung) in der Auszahlungsphase hinweist und empfiehlt, aktuell noch laufende Verträge besser ruhend zu stellen und auf eine Gehaltserhöhung beim Arbeitgeber zu drängen, um mit dieser dann selbst privat fürs Alter vorzusorgen.

    Politik will Unrecht aussitzen

    Diese Aussagen gingen einem Leser, Inhaber einer Versicherungsagentur im Rheinland, heftig gegen den Strich. „Das so etwas überhaupt veröffentlicht werden darf“, entrüstet sich Thomas P. auf Facebook. Und dann kommt es knüppeldick: „allerdings sterben diese aus und dann ist das Thema Doppelverbeitragung vorbei“. Ich habe dreimal gelesen und mich dann entschieden, den Verfasser zu fragen: „Ob die Betroffenen aussterben? Oder die Verträge?“ (Die ja bekanntlich nicht sterben können, sondern eher auslaufen). Der Verfasser drehte einige Pirouetten. Ich wolle ihn nicht verstehen, seine Aussage sei doch klar. Nach mehrfachen Versuchen war es ihm dann wohl zu peinlich. Er löschte seine Antworten, und damit meine mehrfachen Nachfragen. Norbert Wichmann erging es ähnlich. Plötzlich waren seine Antworten nicht mehr zu lesen.

    Ich habe dann zwei Tage lang in Ruhe abgewartet, ob sich noch etwas tut. Aber bis heute herrscht Funkstille. Allerdings ist auf Facebook bei Pfefferminzia bis heute die Aussage des Agenturinhabers „Allerdings sterben diese aus“ zu lesen. Und das kann ich nicht so stehen lassen. Abgesehen davon, dass die große deutsche Versicherung, die dieser Mann vertritt, dringlichst einmal klären sollte, ob sie mit so einer unverschämten Aussage in Zusammenhang gebracht werden will: Hat dieser Mann womöglich das ausgesprochen, was Politiker und Versicherungsleute über uns denken? Drängt sich nicht seit Jahren der Verdacht auf, dass die Politik das Thema aussitzen will? Vom Aussterben der Betroffenen sprechen die Politiker klugerweise nicht. Aber denken sie nicht möglicherweise genauso?

    Schwarze-Peter-Spiel der Parteien

    Wer einmal nacheinander in die Sprechstunde der lokalen Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD gegangen ist und das Thema angesprochen hat, der erlebt in der Regel folgendes: Der/die SPD-Abgeordnete räumt das Unrecht sofort ein, schiebt dann aber den Satz nach: „Wir hätten Sie gerne viel stärker entlastet. Aber mit dem Koalitionspartner war das nicht zu machen“. Gehst du in die Sprechstunde des CDU-Abgeordneten, kommt dieselbe Aussage: „Wir wollten mehr, aber mit der SPD nicht machbar“. Der Klassiker, nicht nur in schlechten Krimis: Good guy – bad guy. So werden wir doch bis heute abgespeist.

    Dem Versicherungsmann mag mit seinem Posting ein Freud’scher Versprecher unterlaufen sein. Aber nach jahrelangem Einsatz für unser Thema bin ich überzeugt, dass er nur das gesagt hat, was viele denken, aber nicht sagen: Die Politiker wollen das Thema aussitzen, wohl wissend, dass die Biologie und die Zeit für sie arbeiten. In der Politik beobachtet man genüsslich, dass es auf Facebook mindestens ein Dutzend Gruppen gibt, in denen sich Betroffene aus unterschiedlichsten Motiven zusammengetan haben. Warum so viele Gruppen? Warum nicht eine schlagkräftige Gruppe? Den Damen und Herren Abgeordneten kann es nur recht sein, wenn wir in Splittergruppen agieren, denen vermutlich nach und nach die Puste ausgeht.

    Versicherer verbrennen unser Geld

    „Allerdings sterben diese aus!“ Sollen wir diese Aussage unwidersprochen stehen lassen? Sollten wir nicht zumindest die Versicherungswirtschaft fragen, ob diese Ansicht in der Branche geteilt wird. Stehen die Versicherungskonzerne hinter so viel Ehrlichkeit, die jemand hier rausposaunt hat? Oder hat der Mann einfach nur Recht: Die ersten derjenigen, die nach 2004 von der hinterhältigen staatlichen Abzocke betroffen waren, sind doch schon gestorben. Und jeden Tag verliert die Truppe potenzielle Mitstreiter. Und irgendwann sind die Doppelversicherungsgeschädigten eine Episode der Politik. So wie zum Beispiel die Eltern, die Studiengebühren für ihre Kinder gezahlt haben.

    Oder geht noch einmal ein Ruck durch die Reihen der Direktversicherungsgeschädigten? Wehren wir uns gegen den Stempel „Aussterbende Sorte Wähler?“ Können wir uns vor der Bundestagswahl noch einmal aufraffen, den Verursachern die richtigen Fragen zu stellen, die Öffentlichkeit wachzurütteln und diejenigen, die noch nichts von der Abzocke ahnen, zu informieren?

    Mickriger Freibetrag

    Der Anfang 2020 eingeführte Betriebsrentenfreibetrag ist nur ein lächerlicher Versuch, dieses Unrecht wenigstens ein bisschen wieder gut zu machen. Aus der Freigrenze wurde dank massiver Proteste des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten ein Freibetrag von 159,25 Euro (2020), mittlerweile von 164,50 Euro.

     

    Bild: iStock/PPSK

  • Was ist mit unserer Rente passiert?

    Was ist mit unserer Rente passiert?

    Ja, was ist mit unserer Rente passiert? Diese Frage stellt sich die Aktion Demokratische Gemeinschaft (ADG) und hat auch Antworten darauf – und auch Vorschläge, wie es hätte besser laufen können.

    In den vergangenen Jahren und Jahrzehnte ist ziemlich viel schiefgelaufen mit der Rente. Heutige Rentner bekommen nur die die Hälfte ihre Nettolohns als Rentner, aber auch nur, wenn alles funktioniert hat im Leben. Das reicht für viele nicht für ein auskömmliches Leben im Alter.

    Was passiert mit der Rente

    Die ADG hat das in einem Filmchen bildlich umgesetzt. Nicht nur das, sie hat auch Vorschläge parat, wie eine auskömmliche Rente aussehen könnte. Ihre Lösung: eine Bürgerversicherung als solidarische Sozialversicherung für Gesundheit, Pflege, Altersvorsorge und Arbeitslosigkeit. Weil das jetzige System alles andere als fair ist.

    Der Text des Filmchen stammt von Otto W. Teufel, Regie und Animation Andreas Nicolai, Musik Aljoscha Reinhardt.

     

    Übrigens, der DVG hat ebenfalls einen Film produzieren lassen, in dem erklärt wird, wer der DVG ist was er macht und wofür er sich einsetzt.  Von 36 auf annähernd 4000 – was für ein Erfolg. Der Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) hat 2015 ganz klein angefangen und ist mittlerweile bundesweit präsent. Der DVG hat annähernd 4000 Mitglieder – und jeden Monat kommen neue dazu.

    Warum haben wir so einen Zulauf? Weil immer mehr Direktversicherte merken, wie sie von Staat und Krankenkassen abgezockt werden. Nicht von ungefähr heißt der Slogan des DVG: „Erst angelockt, dann abgezockt“.

    Imagefilm über den DVG

    Wir wehren uns gegen staatliche Willkür und haben erreicht, dass uns die Politiker ernst nehmen. Allerdings fiel der Erfolg nicht vom Himmel. Wir haben mehrere Demos organisiert, sind bundesweit mit mehr als 40 Regionalgruppen präsent und lassen uns nicht länger abwimmeln.

    Das alles beschreibt der Imagefilm.

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